Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Nachrichten 2017

Preisverleihung des Apfelmarkt-Gewinnspiels

Glückliche Gewinner
Glückliche Gewinner

Beim Aschaffenburger Apfelmarkt gab es in diesem Jahr ein LBV-Gewinnspiel, an dem viele Kinder teilgenommen haben.

An Nikolaus fand die Preisverleihung in der LBV-Umweltstation in Kleinostheim statt. Die beiden kleinen Gewinnerinnen freuen sich sehr: sie haben einen Entdecker-Rucksack und ein Kinder-Fernglas gewonnen. Für die Eltern bzw. die Familie kommt noch eine LBV-Geschenkmitgliedschaft obendrauf. So können sie erst einmal in Ruhe in den LBV „hineinschnuppern“. Was bringt solch eine Mitgliedschaft ihnen denn?

Sie geben der Natur eine starke Stimme, zusammen mit 80.000 weiteren Mitgliedern und Förderern - denn der LBV engagiert sich in Bayern bis vor das Gericht für den Biotop- und Artenschutz. Viermal im Jahr erhalten sie das LBV-Magazin „Vogelschutz“, in dem es um viele aktuelle Themen rund um die Natur geht. Sie bekommen exklusive Angebote im LBV-Naturshop - dort gibt es alles von Vogelfutter bis zu Büchern. Durch die LBV-Experten gibt es kostenlose Beratungen zu den verschiedensten Themen rund um unsere Natur. Für Kinder und Jugendliche gibt es viele LBV-Gruppen, an denen sie teilnehmen können, sowie Feriencamps und Veranstaltungen. Und zu guter Letzt sind die Mitgliedsbeiträge natürlich steuerlich absetzbar.

 

Der LBV ist in Artenschutzprojekten aktiv und kauft wertvolle Biotopflächen, um diese zu erhalten. Auch die Umweltbildung sowie die Naturschutzjugend (NAJU) liegen dem LBV am Herzen. Mit Hilfe von Spenden und Mitgliedsbeiträgen können diese Projekte finanziert werden. Naturschutz kostet Geld. Doch die Mitgliedsbeiträge werden vor Ort eingesetzt: In Stadt und Landkreis Aschaffenburg ist die LBV-Kreisgruppe mit vielen Projekten, Gruppen und Veranstaltungen für den Naturschutz im Einsatz. Und je mehr Menschen dies unterstützen, desto mehr kann bewirkt werden.

Der Star - Vogel des Jahres 2018

Stare - schillernde Schönheiten (Foto: Andrea Kammer)
Stare - schillernde Schönheiten (Foto: Andrea Kammer)

Der LBV und sein bundesweiter Partner der Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben den Star zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt. „Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel – den Menschen vertraut und weit verbreitet. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab. Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung – insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, so Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied. „Eine Million Starenpaare haben wir alleine in Deutschland in nur zwei Jahrzehnten verloren. Jetzt gilt es, den Star durch praktischen Naturschutz und Sicherung des Lebensraums zu unterstützen“, sagt Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender.

 

In Bayern fühlt sich der Star noch wohl. Er ist der dritthäufigste heimische Singvogel und sein Bestand hat sich, entgegen des bundesdeutschen Trends, seit Ende der 1990er Jahre nicht erkennbar verändert. „Doch trotz seines stabilen Bestands hat der Star auch in Bayern mit der Verschlechterung seiner Nahrungsbedingungen zu kämpfen. Der Rückgang von Weideviehhaltung, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sowie das Fehlen ausreichender Brutmöglichkeiten in alten Bäumen oder Gebäudenischen machen ihm das Leben immer schwerer“, erklärt die LBV-Biologin Christiane Geidel.

 

Angepasst hat sich der Star an die Stadt: Der urbane Geselle nutzt Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden zum Nestbau. Parkanlagen, Friedhöfe und Kleingärten liefern ihm Nahrung. Doch auch dort droht ihm Lebensraumverlust durch Bauvorhaben, Sanierungen oder Verkehrssicherungsmaßnahmen. Dagegen möchten wir uns mit unserem neuen Gebäudebrüterprojekt engagieren.

 

Manche Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und überwintern vor allem im Südwesten Deutschlands. Sicher können viele Stare bei der Stunde der Wintervögel beobachtet werden, die wieder vom 5. bis 7. Januar 2018 stattfindet. Nehmen Sie teil und tragen so dazu bei, dass die Bestände unserer Wintervögel weiterhin kontrolliert und damit geschützt werden können.

 

Dezember 2017

Nistkästen im Goldbacher Wald

Mark und Patrick bei der Nistkastenanbringung
Mark und Patrick bei der Nistkastenanbringung

Im Goldbacher Wald hängen hunderte Nistkästen, die bisher von den Vogelfreunden Goldbach betreut wurden. Leider schaffen sie das nun altersbedingt nicht mehr, weshalb sie den LBV angefragt haben. Wir helfen natürlich gerne! Allerdings gibt es eine Menge zu tun: Der LBV hat die verschiedenen Touren optimiert und neu eingeteilt, wodurch viele Nistkästen umgehängt werden müssen. Außerdem suchen wir nach weiteren Naturfreunden, die ein paar Kästen übernehmen möchten. Gerade für Kinder- oder Jugendgruppen und für Familien ist es eine schöne Aktion, die einmal jährlich im Winter stattfinden kann und damit auch überschaubar ist.

 

Zur Vorbereitung haben sich am Samstag, den 02. Dezember einige fleißige LBVler zusammengefunden, um die ersten Nistkästen umzuhängen und zu reinigen. Dabei wird schnell klar: Selbst bei eisigen Temperaturen macht die Nistkastenkontrolle viel Spaß und es lässt sich eine Menge entdecken. Die beiden Jungs Mark und Patrick haben in verlassenen Nestern mehrere Meiseneier gefunden. Ihr Fazit nach vier Stunden draußen: "Können wir nicht noch weitermachen?". Damit schauen wir motiviert auf die Aufgaben, die noch vor uns liegen und freuen uns auf die zukünftigen Nistkastenbetreuer und die Abenteuer, die im Wald auf sie warten.

 

Dezember 2017, Bilder: Andrea Kammer, Judith Henkel; Text: Judith Henkel


Neuer Wohnraum für Schleiereule und Fledermaus

Die Projektteilnehmer (von links): Landwirt Claus Ullrich, Umweltamtsleiter Marc Busse, LBV-Eulenspezialist Thomas Stadtmüller, LBV-Fledermaus-Experte Thomas Bormann, Harald Blankart (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und Bürgermeister Jürgen
Die Projektteilnehmer (von links): Landwirt Claus Ullrich, Umweltamtsleiter Marc Busse, LBV-Eulenspezialist Thomas Stadtmüller, LBV-Fledermaus-Experte Thomas Bormann, Harald Blankart (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und Bürgermeister Jürgen

Für Schleiereulen und Fledermäuse, die immer weniger Unterschlupfmöglichkeiten finden, setzt sich der LBV in einem neuen Projekt ein:

Zusammen mit neun Landwirten, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und der Stadt Aschaffenburg wurden geeignete Kästen auf verschieden Bauernhöfen aufgehängt. An Ställen und Scheunen können die Tiere so im Gebiet der Stadt Aschaffenburg neuen Wohnraum finden. Vorgestellt wurde das Projekt am 15.11. am Schafhof Ullrich in Strietwald. Insbesondere die Schleiereule ist stark gefährdet: der LBV-Eulenexperte Thomas Stadtmüller berichtete, dass die Zahl der Brutpaare im Landkreis Aschaffenburg in den letzten 15 Jahren von 30 auf 5 Brutpaare gesunken sei. LBV-Fledermausexperte Thomas Bormann erzählte, dass immerhin 13 Fledermausarten in der Stadt nachgewiesen seien. Die teilnehmenden Landwirte bekamen Urkunden aus dem Umweltministerium.

Das Projekt ist nah an unser Gebäudebrüter-Projekt angegliedert: Auch hier setzen wir uns für Schwalben, Mauersegler und Co. ein, die an Gebäuden nisten. All diese Arten haben es durch Aus- und Umbauten, Gebäudesanierungen und den Insektenschwund immer schwerer, Nistmöglichkeiten und Nahrung zu finden.

Der Zeitungsartikel zu dem Projekt findet sich hier.

 

November 2017, Bild: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel

Kranichzug über Aschaffenburg

Die Kraniche sind selbst bis in die Dunkelheit hinein noch weitergezogen
Die Kraniche sind selbst bis in die Dunkelheit hinein noch weitergezogen

Trompetenartige Rufe: Tausende von Kranichen zogen Ende Oktober und Anfang November in V-förmigen Formationsflügen über den Landkreis Aschaffenburg. Entsprechend laut klingelte das Telefon bei der Aschaffenburger Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz. Viele Naturfreunde freuten sich über die Kranichzüge und meldeten sie aus vielen Orten und in großer Zahl. "So viele habe ich noch nie beobachten können", erzählen einige begeistert. Bei ihrem Zug können fliegende Kraniche von unten leicht an ihrem langen, geraden Hals und den gestreckten Beinen erkannt werden. In der V-Formation fliegen die hinteren Kraniche jeweils im Windschatten des Vordervogels und können so Energie sparen.

Rund 300.000 Kraniche ziehen jedes Jahr von Nordost nach Südwest - in die wärmeren Regionen von Frankreich und Spanien. Erst seit 2008 fliegen viele der anmutigen Vögel auch über Süddeutschland. Allgemein „erben" sie allerdings auch keine feste Zugroute, sondern sind flexibel und reagieren auf Wetterereignisse und auf den Klimawandel. Manche bleiben mittlerweile sogar über Winter in Deutschland, beispielsweise im Raum Berlin.

Während ihres Zugs rasten sie auf Äckern oder Blühflächen, um sich an Ernteresten wie Getreide oder Sonnenblumen zu stärken. Kraniche sind Allesfresser und können sich somit von Tieren wie Kleinsäugern, Reptilien oder Insekten über Getreide und Gemüse bis hin zu Nüssen und Beeren sehr vielseitig ernähren.

Bezogen auf ihre Körpergröße sind die Kraniche die größten Vögel Deutschlands. Hier kommt nur eine Kranichart vor, der Graukranich. Zwischen 1890 und 2002 war keine Kranich-Brut in Bayern bekannt: sie galten als ausgestorben. Von Tschechien wanderten einige Kraniche wieder nach Nordbayern ein. Im vergangenen Jahr gab es in Bayern 13 Brutpaare mit 15 Jungvögeln. Diese Zahlen können jedoch nicht alle Kranichpaare wiedergeben, da sie bisweilen sehr heimlich vorgehen und sich nicht leicht entdecken lassen. 

Die Kraniche gelten in vielen Kulturen als Symbolträger für Glück, ein langes Leben und Himmelsboten. 

Im Frühjahr werden ihre Rufe wieder zu hören sein - und mit ihnen hoffentlich das Glück für viele der heimischen Vögel wiederkehren, deren Bestände in den vergangenen Jahrzehnten so drastisch zurückgegangen sind. Der LBV wird sich weiter für den Schutz gefährdeter Arten wie dem Kranich in Bayern und hier in Aschaffenburg einsetzen - auf dass zu den Freiheitsrufen der Kraniche auch in vielen Jahren noch staunende Menschen in den Himmel sehen. 

 

November 2017, Bild: Z. Tunka (LBV-Archiv)

Quellen und ihre einzigartige Artenvielfalt

Nur selten hört man in Bayern noch das ursprüngliche Gurgeln, Plätschern oder Rauschen von Quellen. 

Am 19. Oktober präsentierte die Quellexpertin des Landesbunds für Vogelschutz Eva Schubert faszinierende Einblicke in den Lebensraum „Quelle“ und seine Bewohner.

„Früher wurden die Grundwasseraustritte als „heilige Bezirke“ verehrt. In den letzten Jahrzehnten wurden sie dagegen zunehmend verrohrt, gefasst oder verfüllt“, erklärt die Expertin. Sie dienen als Viehtränken, Fischteiche, Tretbecken oder Brunnenanlagen. Dabei ist den wenigsten Menschen bewusst, dass Quellen äußerst wertvolle Lebensräume sind, die eine sehr spezialisierte Lebensgemeinschaft beherbergen und daher äußerst schutzbedürftig sind. 

„Ihren Schwerpunkt haben die Quellen in den Alpen“, weiß Eva Schubert, „und dort sind viele Quellen noch naturnah. Im restlichen Bayern ist das oft nicht der Fall“. Quellen sind Schnittstellen zwischen Grund- und Oberflächenwasser und als solche mit ihren konstanten Wassertemperaturen ein Extrem-Lebensraum für Spezialisten im Tier- und Pflanzenreich. Hierzu zählen sogenannte Eiszeitreliktarten, die durch die nacheiszeitliche Erwärmung der Seen und Flüsse in Quellen verdrängt wurden. Die Quellschnecke ist mit ihren 1-2 mm ein wahrer Winzling, der Höhlenflohkrebs dagegen mit 1-2 cm Körpergröße schon leichter erkennbar.

Quellbereiche sind gesetzlich geschützte Biotope, doch bis zu 90 % der Offenlandquellen und ca. die Hälfte der Waldquellen sind zerstört oder stark beeinträchtigt. „Dabei kann mit kleinen Schritten vieles bewirkt werden", bekräftigt Eva Schubert, „beispielsweise durch das Entfernen eines Anstaus oder die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit durch das Entfernen eines Rohrs." 

In Bayern gibt es bereits viele LBV-Projekte, in denen Quellen renaturiert wurden. Im vergangenen Jahr wurde der Dammbachuntersucht, der bereits in einem guten Zustand ist. Hier werden in Zusammenarbeit mit der LBV-Kreisgruppe einige Naturschutzmaßnahmen umgesetzt, um das Gewässer für Tiere und Pflanzen zu optimieren. An den Quellen der LBV-Flächen kommen ebenfalls einige spezialisierte Tierarten wie der Feuersalamander oder die Gestreifte Quelljungfer, eine seltene Libellenart, vor und wurden erst dieses Jahr bei Kartierungen dort nachgewiesen.

In Zukunft wird das Thema „Gewässer“ auch im Landkreis Aschaffenburg zu einem Schwerpunkt werden - damit die Arten, die bereits in der Eiszeit existierten, auch noch eine Zukunft haben.

 

November 2017, Bilder: Julia Römheld und Eva Schubert, Text: Judith Henkel


Flächenpflege: Naturschutz bedarf auch „Einmischung“

Blühende Wiesen, Schmetterlinge, summende Wildbienen und Hummeln: dies ist häufig eines der Bilder, das wir von einer intakten Natur haben. Doch solch eine Landschaft wird nicht nur immer seltener, sondern bedarf auch Arbeit. 

Ohne Pflege können viele Flächen nicht so erhalten werden, wie es bestimmte Arten benötigen. Insbesondere die sogenannten „Offenland-Biotope“, die einst von Menschen geschaffen wurden, müssen nun auch weiterhin von Menschen durch Pflegeeinsätze oder traditionell durch Beweidung offengehalten werden. Hierzu zählen beispielsweise Wiesen, Magerrasen und Teiche. Insbesondere im Offenland finden sich die höchsten Artenzahlen. Ohne den Eingriff des Menschen würden solche Biotope zuwachsen, verbuschen und nach und nach wieder bewaldet sein. So war es vor der Besiedelung durch Menschen: Das heutige Gebiet Deutschlands war bis auf wenige Ausnahmen wie Binnengewässer oder Moore bewaldet. 

Auch einige eingewanderte Pflanzen (Neophyten) müssen regelmäßig zurückgedrängt werden, da sie den heimischen Arten durch starke Ausbreitung und schnelles Wachstum überlegen sind und diese verdrängen.

 

Aus diesem Grund finden mehrmals jährlich Biotoppflege-Einsätze auf den LBV-Flächen im Landkreis Aschaffenburg statt, die rund 70 ha umfassen. Entsprechende Pflegepläne wurden teils von Experten erarbeitet. In diesem Jahr sind alle Eigentums- und Pachtflächen des LBVs neu kartiert worden, um festzustellen, welche Arten hier vorkommen und die Pflege der Flächen gegebenenfalls entsprechend anzupassen. So finden empfindliche Tier- und Pflanzenarten dort einen Rückzugsort und können erhalten werden.

 

Am 28.10. stand wieder eine Gruppe motivierter Naturschützer mit Astschere und Rechen bereit, um Schilfflächen und Tümpel von aufwachsenden Erlen zu befreien. Angeleitet von Alex Wack vom Landschaftspflegeverband konnten so mehrere LBV-Flächen in Kleinkahl gepflegt werden. 

Allen Helfern sei noch einmal ausdrücklich gedankt! Der nächste Flächenpflege-Einsatz wird bald folgen. Hierbei ist natürlich jeder Freiwillige gern gesehen. Es ist keine schwere Arbeit, Vorkenntnisse sind nicht nötig, es macht viel Spaß und für Essen und Trinken ist gesorgt. Auch Kinder sind willkommen, und gerade sie sind oft die fleißigsten Helfer, wie Mark und Patrick am Samstag wieder einmal bewiesen haben. Nebenbei kann jeder die wunderschöne Natur in den LBV-Flächen genießen, hat Bewegung und frische Luft. 

 

November 2017, Bilder: Ellen Kalkbrenner, Text: Judith Henkel


Preis für Bienen-Engagement verliehen

"Aschaffenburg summt!" hat mit dem Projekt "Blühwiese mit Insektenhotel an der Aschaff" beim bayernweiten Wettbewerb "Wir tun was für Bienen" den zweiten Preis in der Kategorie "Kommunale Flächen" gewonnen.

An der Aschaff hatten Schüler der Privaten Schulen Krauß eine Blühwiese angelegt und ein Insektenhotel gebaut.   

Auf der eigenen AB-summt-Website gibt es nähere Infos!

Delegiertenversammlung 2017

Wie jedes Jahr fand die Delegiertenversammlung des LBVs (kurz: Deli) im Oktober statt, diesmal mit rund 250 Delegierten am 21.10. in Amberg. Die Deli ist das Parlament des LBV und tagt einmal jährlich. 72 Kreisgruppen entsenden gewählte Vertreter, welche die große Linie des Verbands diskutieren und inhaltliche Schwerpunkte setzen. Die Kreisgruppe Aschaffenburg durfte dank ihrer großen Mitgliederzahl 7 Delegierte entsenden. 

Viele wichtige Punkte standen auf dem Programm. Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf lobte den LBV: „Der Landesbund für Vogelschutz ist eine der feinsten Adressen im Naturschutz. Mit seinen 80.000 Mitgliedern und Förderern ist der LBV ein starker Anwalt der bayerischen Natur und Umwelt.“ 
Der 1. Vorsitzende Norbert Schäffer legte den Rechenschaftsbericht 2017 ab, der hierzu finden ist. Der LBV wird sich weiterhin für den Schutz der Bayerischen Alpen, insbesondere des Riedberger Horns einsetzen. Darüber stimmten die Delegierten einstimmig ab. 

Der Filmemacher Dieter Wieland (bekannt u.a. durch „Grün kaputt“) erhielt dieses Jahr den LBV-Medienpreis. Er wird für seine Verdienste um den Naturschutz und den Erhalt der bayerischen Heimat durch sein langjähriges und umfassendes filmisches Schaffen zu Naturschutzthemen ausgezeichnet. Wieland hat als einer der Ersten die Zersiedelung der Landschaft und die Verschandelung von Städten und Dörfern angeprangert. Somit hat der Filmemacher das Bewusstsein einer ganzen Generation für Umwelt- und Naturschutz geprägt.

Darüber hinaus ehrte der LBV zwei langjährige Unterstützerinnen für ihre Verdienste um den Naturschutz. So erhielten Margaretha Stocker von der Hofpfisterei München und Ruth Rosner die LBV-Verdienstmedaille.

Die LBV-Delegierten verabschiedeten außerdem Positionspapiere des Verbands zu den Themenschwerpunkten „Fischerei“ und „Vogelfütterung“. Im Papier zur Fischerei und zum Fischartenschutz erkennt der LBV eine nachhaltige und dem Gewässertyp angepasste naturverträgliche fischereiliche Nutzung an und formuliert für deren Ausübung klare Rahmenbedingungen. Das zweite Positionspapier enthält Empfehlungen zur Fütterung von Vögeln, die vielen Menschen einen wichtigen, teils den einzigen Zugang zur Natur ermöglicht. Dazu stellt der LBV klar, dass Vögel Teil eines natürlichen Lebensraumes sind und nicht von diesem losgelöst gesehen werden dürfen.

Im Anschluss gab es am 22. Oktober in Kooperation mit dem Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern e.V. (LARS) noch ein Naturschutzseminar zum Thema "Aktuelle Methoden und Konzepte für den Amphibien- und Reptilienschutz“. Hier konnte jeder eine Menge über konkrete LBV-Projekte, Gefährdungen für Amphibien und Reptilien sowie das Vorgehen im Artenschutz lernen.

Zufrieden und angereichert mit neuen Ideen und Kontakten kehrten alle zurück nach Aschaffenburg.

 

Oktober 2018, Bilder: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel

Positionspapier "Vogelfütterung"
Positionspapier- Vogelfuetterung-LBV-201
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Positionspapier "Fischerei"
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Eine Spende des Projekts „ÖKOPROFIT® Bayerischer Untermain Schule“

Mit den teilnehmenden Lehrern, der Arqum GmbH und dem LBV: die Spendenübergabe
Mit den teilnehmenden Lehrern, der Arqum GmbH und dem LBV: die Spendenübergabe

Das Projekt „ÖKOPROFIT Bayerischer Untermain – Schule 2015-2018“ wird aktuell mit 9 Schulen, aus der Stadt und dem Landkreis Aschaffenburg, dem Landkreis Miltenberg

sowie der Gemeinde Goldbach und dem Schulverband Krombach-Geiselbach, durchgeführt.

Seit 2015 werden die Schulen durch die Teilnahme an gemeinsamen Workshops sowie durch die spezifische Beratung in den einzelnen Liegenschaften über umweltrelevante Themen informiert.

Gemeinsam werden Verbesserungsmaßnahmen im Umweltschutz erarbeitet und Projekte zur Umweltbildung konzipiert. Die Ziele des Projektes sind die Optimierung der Umweltbilanz der Gebäude

sowie die Entwicklung pädagogischer Konzepte, um die Schüler und Lehrer zum Umweltschutz zu motivieren.

 

Das Projekt zeigt großes Engagement und die teilnehmenden Schulen haben beschlossen, einem umweltschutzorientierten Projekt eine Spende in Höhe von 150 € zukommen zulassen.   

Ausgewählt wurde hier der Landesbund für Vogelschutz, der sich mit vielen Aktionen und Veranstaltungen im Landkreis Aschaffenburg für die Natur sowie in der Umweltbildung engagiert.

Am letzten Workshop wurde die Spende nach einer kurzen Präsentation des LBVs und seiner Arbeit an der Mozart-Grundschule in Obernau von der zuständigen Arqum GmbH überreicht.

Viele Lehrer kannten den LBV bereits, andere waren begeistert von deren zahlreichen Arbeitskreisen und Veranstaltungen. Einige möchten sich nun im kommenden Jahr auch im Rahmen der Sammelwoche mit ihren Schülern für den Landesbund für Vogelschutz einsetzen - so können die Kinder und Jugendlichen lernen, dass der Einsatz von vielen Kleinen Großes bewirken kann.

Durch das Ökoprofit-Projekt haben sie bereits vieles über Umweltthemen wie Wasser und Energie erfahren. Der LBV ist erfreut über so viel Interesse und bedankt sich herzlich für die Projektspende, die hier im Landkreis für den Arten- und Biotopschutz eingesetzt wird. Das Engagement der Schulen in der Umweltbildung ist von großer Bedeutung - denn eine Achtung vor der Natur beginnt in der Kindheit.

 

Oktober 2017, Bild: Arqum GmbH, Text: Judith Henkel

Leben braucht Vielfalt im bunten Aschaffenburg

Bernd, der Biber als LBV-Botschafter
Bernd, der Biber als LBV-Botschafter

Vielfalt an Tieren und Pflanzen, Lebensräumen, Menschen und Interessen. Einige von ihnen haben am Samstag, den 21. Oktober einen Infostand in der Aschaffenburg Herstallstraße betreut und über den Landesbund für Vogelschutz (LBV) informiert.

Wie schon oft hat ihnen Bernd, der Biber dabei geholfen: Mitten in die Menschenmenge hat er sich gestellt, mutig und eindrucksvoll. Und so sind viele stehen geblieben, erschrocken oder fasziniert. Und so begannen viele Gespräche: vom Biber, der hier im Landkreis wieder heimisch ist und sich ausbreitet, Auen „renaturiert“ und mancherorts zu Konflikten führt. Über natürliche Lebensräume, die immer seltener werden und vom LBV durch Flächenkauf und Flächenpflege erhalten werden. Bis hin zu jedem Einzelnen und eines jeden Beitrag zu Natur- und Artenschutz. Auch mit wenig Zeit lässt sich viel bewirken: beispielsweise mit den Samentütchen, die am Stand verteilt wurden und die Stadt zum Summen bringen sollen. Sie stammen von der Initiative „Aschaffenburg summt!“, die aus dem LBV, der Stadt Aschaffenburg und dem Bienenzuchtverein in Damm ins Leben gerufen wurde und sich für blühende Flächen und Insektenvielfalt einsetzt.

Viele positive Gespräche konnten so geführt werden, im bunten Aschaffenburg sind viele Menschen an der Natur interessiert. Einige haben sich direkt entschieden, Mitglied zu werden. Damit geben sie der Natur eine Stimme, denn beim LBV setzen sich viele Leute aktiv und bis in die Politik für den Naturschutz ein. So können beispielsweise große Bauprojekte, die wertvolle Biotope zerstören würden, verhindert werden.

Wer gemeinsam mit anderen Naturfreunden etwas bewegen möchte, kann sich selbst in einem der vielen Arbeitskreisen der LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg einbringen, viele andere Naturfreunde kennen lernen und sich dabei in verschiedenen Fachbereichen fortbilden.

Für alle Interessierten gibt es außerdem das ganze Jahr über viele Veranstaltungen zu naturnahen Themen: Führungen, Vorträge und Mitmachaktionen. Zurzeit wird das Programm für 2018 auf die Beine gestellt. Zu finden sind alle Termine im Internet unter aschaffenburg.lbv.de oder unter facebook.com/LBVAschaffenburg.

Bei einigen Veranstaltungen kann auch jeder Bernd, den Biber wiedersehen: bei Biberführungen, die jedes Jahr von dem LBVler und Biberbeauftragten Thomas Wolf durchgeführt werden: in ausgewählten Biberrevieren zum Werk der Baumeister. Jeder ist herzlich willkommen - Vielfalt ist erwünscht.

 

Oktober 2017, Bilder: Meike Kempermann und Klaus Heller, Text: Judith Henkel

Bunte Blätter, schlichtes Gefieder: Zugvögel im Herbst

Jetzt im Herbst ziehen viele Vogelarten in Richtung Süden, einige ziehen dabei vom Norden zu uns. Am 18.10. führte Vogelkenner Gerd Andres vom Landesbund für Vogelschutz 25 Fernglasträger vom Niedernberger Mainufer bis zu den Kiesseen. 

Die Sonne steht tief, warmes Oktoberlicht erhellt die letzten Abendstunden. Gerd Andres erzählt von den Wasservögeln: „Die Stockenten sieht man natürlich am häufigsten, aber auch Reiherenten lassen sich oft beobachten. Diese tauchen viel - beim Bestimmen ist es sehr hilfreich, auch das Verhalten der Tiere zu analysieren und auf das Flugbild zu achten.“ In einem Auwaldstreifen zwitschert ein Trupp Erlenzeisige, „auch eine Zugerscheinung“, erklärt der Naturfreund.

Kleine Starenschwärme fliegen über die Seen, von denen jeder einen unterschiedlichen Bewuchs und andere Bedingungen aufweist. Dadurch kommen auch die verschiedenen Vogelarten nicht an jedem See vor; manche brauchen z.B. große Schilfbereiche mit Versteckmöglichkeiten.

Im Lauf der letzten Jahre konnten hier schon tolle Entdeckungen gemacht werden wie die Bekassine, ein scheuer und seltener Vogel. Im Flachwasser findet sich eher die Krickente, in anderen Strukturen beispielsweise Reiher und Kraniche.

"Einmal im Jahr richtet der LBV auch eine Veranstaltung für die Jungjäger aus", informiert Gerd Andres die Gruppe. Die Jäger müssen die verschiedenen Entenarten und Co. natürlich kennen und unterscheiden lernen.

Während der Führung sind viele Haubentaucher zu sehen, die nun im Winterhalbjahr allerdings wie viele andere Vögel ihr Schlichtkleid tragen und somit nicht ganz so prächtig aussehen. Einige Graugänse fliegen trompetend in einem V über den Silbersee. „Früher sind sie noch in den Süden gezogen, nun bleiben sie über den Winter hier“, erzählt der Experte.

Auch Eisvögel sind hier oft zu sehen, wenngleich ihr Bestand durch den letzten kalten Winter zurückgegangen ist. Andere Probleme sind anthropogen bedingt: Durch die Begradigung des Mains ist die Strömungsgeschwindigkeit erhöht. Der Wellenschlag von Booten auf dem Main schadet dem Schilfgürtel und der Entwicklung von Wasserpflanzen. Dies hat widerum Auswirkungen auf die Vogelwelt, die Seen sind wichtig für sie.

Gerd Andres erklärt: "Die besten Vogelbeobachtungen lassen sich von November bis Januar machen". Er lädt dazu ein, ihn bei den offiziellen Wasservogelzählungen zu begleiten, die im Winter einmal monatlich durchgeführt werden. Das Gebiet am Main mit den Kiesseen ist dabei im weiteren Umkreis etwas Besonderes.

 

Oktober 2017, Text und Bilder: Judith Henkel


Selten gesehen und doch überall

Fledermäuse - recht unbekannt, aber faszinierend, und Teil des neuen Gebäudebrüterprojekts der LBV- Kreisgruppe Aschaffenburg. Um mehr über diese Jäger der Nacht zu lernen und als Vorbereitung für Kartierungen und Ersthilfemaßnahmen lud Thomas Bormann am 17. Oktober in seine Garage ein: hier pflegt er das ganze Jahr über Fledermäuse, die verletzt gefunden wurden. Sie leben häufig an Gebäuden in schmalen Ritzen am Dach, an Schornsteinen, an Mauern...häufig ganz unbemerkt. Mit dem Gebäudebrüterprojekt sollen in Aschaffenburg auch Fledermäuse erfasst und geschützt werden: es ist nach Bundesnaturschutzgesetz verboten, ihre Ruhestätten zu zerstören, doch dazu muss man ihre Schlafplätze erst einmal kennen.

Alle gucken gespannt in eine Art Transportbox mit Stoffbahnen. Zunächst ist nichts zu sehen. Doch ein geübter Griff des Fledermausexperten zeigt die kleinen Säugetiere: sechs Stück hängen zwischen den Tüchern zusammen. Sie haben keine Probleme miteinander: „Auch verschiedene Arten verstehen sich untereinander. Im Winter wärmen sie sich gegenseitig“, erklärt Thomas Bormann. Dann können die einzelnen Individuen aus der Nähe betrachtet werden. Ein Langohr begeistert die Gruppe. Es kann Ultraschallrufe durch Mund und Nase abgeben.  Zurzeit iat es verletzt und kann nicht fliegen. „Die Pflege ist zeitaufwendig, macht aber viel Freude“, erzählt der Fachmann. „Als Ersthilfemaßnahme setzt man die Fledermäuse am besten in eine geschlossene Box mit etwas Wasser und Luftlöchern“, fährt er fort. Wenn die Tiere bei ihm versorgt wurden und wieder gesunden, lässt er sie in einem großen Netz fliegen, bevor er sie wieder freilässt. "Alle kann man nicht retten. Doch ein Moment der Wieder-Freilassung ist eine große Freude", erzählt er.

In den nächsten eineinhalb Stunden werden sie gewogen und mit Mehlwürmern gefüttert. Mehrere Zwergfledermäuse und eine Rauhautfledermaus gibt es noch zu bewundern. Ihr flatterndes Herz schlägt schnell in Thomas Bormanns Hand. Sie kennen ihn. Doch es kann durchaus einmal passieren, dass eine Fledermaus beißt. In diesem Fall ist eine Nachimpfung gegen Tollwut nötig. Auch das hat der Fledermausbeauftragte schon mitgemacht.

Alle sind überzeugt: für die Fledermäuse sollte viel mehr getan werden. Wer Interesse hat und sich für den Fledermausschutz engagieren möchte, ist herzlich willkommen beim LBV. Im Rahmen des Gebäudebrüterprojekts gibt es spannende Schulungen und viele Möglichkeiten zum Einstieg. Denn die Gebäudebewohner brauchen Unterstützung.

 

Oktober 2017, Bilder und Text: Judith Henkel


Von Äpfeln, Steinkäuzen und Bienen

Ein Highlight im Jahr - der Apfelmarkt, der dieses Jahr am 08. Oktober in Aschaffenburg stattfand. Bereits früh am Morgen werden große Mengen an Äpfeln herbeigefahren - zum Pressen, für die Apfelsorten-Ausstellung oder zu anderweitiger Verarbeitung. Der Apfel steht dabei für regionalen Obstanbau, für Naturschutz und Landschaftspflege. Gerade am Untermain sind die großen Streuobstbestände nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Lebensraum von vielen teils seltenen Tier- und Pflanzenarten wie dem Steinkauz.

Dieser ist als Exponat am LBV-Stand zu bestaunen und zieht kleine und große Besucher an, verbunden mit Fragen wie „Ist der wirklich so klein?“ oder „Den gibt es hier bei uns?“. Allerdings! Der 22 cm große Kauz steht auf der Roten Liste als stark gefährdete Tierart; am Untermain befindet sich die wichtigste Population Bayerns. Neben Informationen zum LBV und der Arbeit vor Ort gibt es am Stand auch ein ratterndes Glücksrad - sehr beliebt bei Kindern. Einmal gedreht, können hier Fragen zu Tieren und Streuobst beantwortet werden - mit der Aussicht auf ein Honigbonbon. Denn: Honig kommt von den Bienen, und ohne die Bienen gibt es auch keine Äpfel.

Neben dem Infostand der Kreisgruppe Aschaffenburg steht der LBVler Daniel Feldmann an einem „Aschaffenburg summt“-Stand. Er ist der Koordinator des Projekts, das sich für Bestäuberinsekten und Blühflächen in der Stadt Aschaffenburg einsetzt. Am Stand informiert Daniel über den Wert von Wild- und Honigbienen und hält in der VHS einen Vortrag über blühende Gärten und Landschaften als Lebensräume für Bienen, Hummeln und Co.. Danach gibt es noch einen Ausflug auf das Dach des Martinushauses, auf dem bereits die ersten Bienenstöcke stehen.

Auch die Ortsgruppe des LBV AB ist dabei - bereits seit dem allerersten Apfelmarkt bieten sie in gemütlicher Runde Stockbrot über einer Feuerstelle an - sehr lecker, nicht nur zum selbstgemachten Apfelgelee. Die Stimmung ist gut, viele Aktive aus der Ortsgruppe helfen an den Ständen des LBVs oder von Aschaffenburg summt - z.B. an der Buttonmaschine, mit der jeder Buttons zum Anstecken erstellen kann. 

Es ist ein wunderbarer Tag mit vielen Besuchern, netten Gesprächen und leuchtenden Kinderaugen. Viele Kinder kennen sich zum Thema Natur schon gut aus, oft auch durch Umweltbildungsveranstaltungen im Kleinostheimer LBV-Naturerlebnisgarten. So wird es durch den Einsatz von vielen Naturfreunden auch in den kommenenden Jahrzehnten noch Bienen geben, Äpfel und die Streuobstwiesen.

 

Oktober 2017, Bilder: Meike Kempermann und Klaus Heller, Text: Judith Henkel


Spende der Angler für Gebäudebrüter-Projekt

Bei der Spendenübergabe: Maria Quittek vom Umweltamt, die 2. Vorsitzende Ellen Kalkbrenner, der Projektleiter Klaus Heller und Achim Zega vom ASV Obernau
Bei der Spendenübergabe: Maria Quittek vom Umweltamt, die 2. Vorsitzende Ellen Kalkbrenner, der Projektleiter Klaus Heller und Achim Zega vom ASV Obernau

Jedes Jahr spendet die Arbeitsgemeinschaft der städtischen Angelvereine im Rahmen der Stadtmeisterschaft der Sportangler 400 € für die Un­te­re Na­tur­schutz­be­hör­de, die daraufhin für ein bestimmtes Naturschutzprojekt eingesetzt werden.

In diesem Jahr geht die Spende an das neue Gebäudebrüterprojekt der LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg. Am 04. Oktober nehmen der Projektleiter Klaus Heller, die 2. Vorsitzende Ellen Kalkbrenner die Spende im Beisein von Maria Quittek vom Umweltamt Aschaffenburg dankbar entgegen. Überreicht wurde sie von Achim Zega, dem Vorsitzenden des ASV Obernau, der dieses Jahr die Stadtmeisterschaft durchführte.

Die Spende wird nun für den Schutz und die Wiederansiedlung von Gebäudebrütern in der Stadt Aschaffenburg eingesetzt, beispielsweise für Mauerseglernistkästen oder für Kotbretter unter Schwalbenkästen, damit die kleinen Mitbewohner die Fassade nicht verschmutzen und so auch weiterhin willkommen sind. Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung!

Im Rahmen des Projekts werden im kommenden Jahr auch Gebäudebrüter im Stadtgebiet kartiert, um ihre Nistplätze zu kennen und damit auch sichern zu können.

 

Oktober 2017, Foto: Klaus Heller, Text: Judith Henkel

Infostand der LBV-Kreisgruppe in Aschaffenburg

Mit Flyern, Prospekten und Sonnenschein ein gelungener Tag
Mit Flyern, Prospekten und Sonnenschein ein gelungener Tag

Der Name "Landesbund für Vogelschutz" kann ganz schön verwirrend sein, da wir ja bei Weitem nicht nur Vogelschutz betreiben. An einem Infostand an der Aschaffenburger City-Galerie haben wir am Samstag, den 30. September, darüber informiert, was wir sonst noch so alles machen, welche Veranstaltungen und Projekte es bei uns gibt und wie man sich bei uns einbringen kann.

Dabei entstehen gute Gespräche: mit naturverbundenen Einkäufern, interessierten Spaziergängern und Menschen, die sich bereits im Alltag für die Umwelt einsetzen. Manch einer berichtet über die diesjährige Mauerseglerpopulation und möchte sich bei unserem neuen Projekt zum Thema "Gebäudebrüter" engagieren. Andere sind besorgt über den Insektenrückgang und freuen sich über die Initiative "Aschaffenburg summt", die federführend von Daniel Feldmann vom LBV geleitet wird und sich für die Bestäuberinsekten und eine blühende Stadt einsetzt.

Es entstehen auch fachliche Gespräche, beispielsweise über den Usutu-Virus, der bei Amseln zum Tod führen kann. Und viele sind überrascht, bei uns so verschiedene Themen vorzufinden: Streuobst, Biber, Fledermäuse, Wolf, lebendige Bäche, Botanik, Flächenpflege und weitere Arbeitsbereiche gibt es hier. Denn so bunt und verschieden die Natur sich präsentiert, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die sie lieben und schützen möchten. So möchten einige gerne Hand anlegen und zu dieser Truppe dazustoßen, was uns natürlich sehr freut. Jeder Interessierte hat bisher einen passenden Bereich gefunden, in dem er oder sie sich mit Freude und nach eigener Verfügbarkeit aktiv beteiligt.

Am 21. Oktober gibt es noch einmal einen Infostand in Aschaffenburg, diesmal in der Herstallgasse. Auch hier ist wieder jeder herzlich willkommen, ob nun zu einem netten Gespräch, bei Fragen und Anmerkungen oder einfach nur für ein paar Infos über den Verband und unsere Tätigkeiten.

 

Oktober 2017, Bilder: Ellen Kalkbrenner und Judith Henkel, Text: Judith Henkel

Exkursion und Vortrag zu essbaren Pilzen

Pilzsuche - für viele Menschen ist der Herbst ideal dafür. Es macht Spaß und ist etwas abenteuerlich, mit Korb im Wald auf die Suche zu gehen. Doch welche Pilze sind wirklich essbar und wie kann man sie von ungenießbaren Exemplaren unterscheiden?

Licht ins Dunkel bringt am 30. September der Pilzkenner Dr. Bsonek von der deutschen Gesellschaft der Mykologie. Kompetent und lustig begeistert er mit viel Fachwissen 20 interessierte Pilzfreunde. Dabei zeigt er zunächst einige Pilze, die er am Tag zuvor gepflückt hat, und bespricht ihre Merkmale. Anschließend folgt eine richtige Pilzsuche: zwei Stunden marschiert die Gruppe durch den Alzenauer Wald, und es gibt viele Aha-Momente. Es überrascht die Gruppe, wie viele gefährliche Pilze es gibt: Sehr viele "Doppelgänger" sind dabei, die leicht mit essbaren Pilzen verwechselt werden können. Deshalb sollte sich jeder Schatzsucher gründlich informieren, bevor er oder sie loszieht, um Beute zu machen.

Nach dem praktischen Teil an der frischen Luft folgt eine spannende Präsentation in der LBV-Umweltstation in Kleinostheim. Hier erzählt Herr Dr. Bsonek etwas über die wichtigsten Pilzgifte und Giftsyndrome. Außerdem gibt er noch wichtige Tipps zum Sammeln und Verarbeiten der wilden Leckereien, informiert über gesetzliche Grundlagen des Naturschutzes und über das Thema "Pilze und Umweltbelastung".

Am Ende sind alle sehr zufrieden und gehen nun mir sehr viel mehr Wissen und Sicherheit zur Pilzsuche ins Grüne bzw. ins Bunte, zu den Pilzen, die unter farbigen Baumkronen leise wachsen.

 

Oktober 2017, Bilder: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel


Naturfotoworkshop im Spätsommer

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, das erste goldene Herbstlicht bietet dabei viele schöne Momente für Naturaufnahmen. Dies nutzten auch die sieben Teilnehmer des Workshops von Naturfotograf Björn Reibert. Am 02. September starten sie morgens gemeinsam mit einem Theorieteil, danach folgt die Praxis im LBV-Naturerlebnisgarten in Kleinostheim.

Alle sind sehr aktiv und interessiert, Björn kann viele Fragen beantworten und Lösungen anbieten.

Motive finden sich im Garten zur Genüge, von Blumen über Eidechsen bis zum Highlight des Tages, einer Wespenspinne. "War echt eine super Truppe", freut sich Björn. Nun werden sicher auch in den kommenden Wochen viele Stunden in der Natur von den Teilnehmern festgehalten. Und können so dazu beitragen, andere für unsere Natur zu begeistern.

 

September 2017, Fotos: Andrea Kammer, Text: Judith Henkel


Zusammenleben von Pflanzen, Tieren und Pilzen

Gegenseitige Unterstützung, Abhängigkeit, Ausbeutung … bei diesen Begriffen denken die Wenigsten an die Natur. Und doch ist dort alles vorhanden - komplexe Beziehungen existieren in der Luft und im Boden. Eine Gruppe von Naturfreunden trifft sich für eine LBV-Führung am 03. September in Goldbach, um mehr über die Verflechtungen zu erfahren, die Pflanzen, Tiere und Pilze verbinden.

Einen festen Zusammenhalt haben beispielsweise die Pflanzen, die durch ein Pilzgeflecht im Boden (Mykorrhiza genannt) über ihre Wurzeln miteinander verbunden sind. So können sie Informationen austauschen. Bei Gefahr, wie sie von blattfressenden Käfern ausgeht, senden sie chemische Signalstoffe an die Pflanzen in der Umgebung, um sie zu warnen. Daraufhin produzieren die Pflanzen Abwehrstoffe, damit den Insekten das Blattwerk nicht mehr schmeckt. Kommunikation erfolgt außerdem mit Duftbotschaften über die Luft.

Eine Symbiose, also das Zusammenleben verschiedenartiger Lebewesen, von dem beide Seiten profitieren, existiert in Form von Flechten überall auf Bäumen, Felsen oder Mauern. Eine Flechte besteht meist aus einem Pilz und einer Alge: Der Pilz bildet den Körper der Flechte, die Alge betreibt Photosynthese. In vielen Farben leuchten sie von Baumrinden und Ästen und zeigen gute Luftqualität an.

Bei dem Spaziergang in Goldbach geht es auch um Tiere, beispielsweise die Ameisen. Vielen ist bereits bekannt, dass sie Blattläuse melken: Die Blattläuse geben Honigtau ab, ein Abfallstoff aus Pflanzensäften, wenn die Ameisen sie mit ihren Fühlern „betrillern“. Als Gegenleistung beschützen diese die Blattläuse vor Feinden wie Marienkäfern.

Auch Parasitismus lässt sich in der Natur häufig beobachten: Die Misteln, die auf Bäumen leben und an Weihnachten beliebt sind, sind „Halbparasiten“, da sie selbst Photosynthese betreiben. Sie dringen in den Ast ihres Wirtsbaums ein und zapfen dessen Leitungsbahnen an.

Ein „Vollparasit“ ist die Sommerwurz, von der ein Exemplar des Frankfurter Botanischen Gartens bestaunt werden kann. Ihre Wurzel dringt in die Wurzel eines geeigneten Wirts ein und entziehen ihm Wasser und Nährstoffe.

Viele weitere Beispiele lassen sich am Wegesrand beobachten und dank des vielschichtigen Zusammenlebens in der Natur ließen sich damit Wochen und Monate füllen. Zu guter Letzt sind sich die Teilnehmer einig, dass die Menschen ebenso abhängig von den Pflanzen sind wie viele Tiere und Pilze - sie sorgen für Sauerstoff, für Nahrung und nicht zuletzt erfreuen sie das Herz.

 

September 2017, Text: Judith Henkel, Fotos: Pixabay


Neue Thematik: Der Wolf

Bild: Marcus Bosch (LBV-Archiv)
Bild: Marcus Bosch (LBV-Archiv)

Der Wolf kehrt zurück und ist natürlich auch für den LBV ein wichtiges Thema. Nun haben wir hier einige Informationen zu dem Thema bereitgestellt und freuen uns, mit dem Wolfsbotschafter Günter Trapp tiefer in das Thema einzusteigen. Ganz Bayern gilt als "Wolfserwartungsland" und für Jäger, Nutztierhalter und Naturschützer ergeben sich viele Möglichkeiten, sich gemeinsam auf seine Ankunft vorzubereiten.

 

August 2017

Startschuss für Aschaffenburg summt!

Die Bündnispartner: Stadt Aschaffenburg, LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg und die Imker von AB-Damm
Die Bündnispartner: Stadt Aschaffenburg, LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg und die Imker von AB-Damm

Es soll summen in Aschaffenburg! Am Montag, 24. Juli traf sich das neue Aktionsbündnis, bestehend aus den Partnern Landesbund für Vogelschutz (LBV – Kreisgruppe AB), der Stadt Aschaffenburg und dem Bienenzuchtverein AB-Damm, um Ideen zu entwickeln, die Aschaffenburg zum Summen bringen.

Ziel ist, möglichst viele Aschaffenburger dafür  zu begeistern, den Bienen vielfältige Lebensräume bereitzustellen: für ihre Stadt und "ihre" Bienen.

Über die Homepage der Initiative www.aschaffenburg-summt.de stehen Informationen zu Bienen, Vorschläge für den Bau von Insektenhotels oder Tipps für bienenfreundliches Gärtnern bereit. Dazu sollen Bienenstöcke an bekannten Orten in der Stadt aufgestellt und Blühflächen als Nahrungsquellen angelegt werden. Bei den zukünftigen Veranstaltungen und an Informationsständen auf Märkten und Festen können Interessierte weitere Eindrücke von dieser Aktion bekommen. Im Rahmen des Projektes werden die Bündnispartner sich ebenso im Bereich der Umweltbildung engagieren.

Bienen sind sympathische Schlüsselwesen und unverzichtbare Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen. Und sie sind bedroht: Monokulturen, Pestizide, Flächenverluste, Krankheiten und Schädlinge machen ihnen zu schaffen. Dabei profitieren wir enorm von der Bestäubungsleistung der Bienen. Ein guter Grund, sie mehr wertzuschätzen und unsere Stadt bienenfreundlicher zu gestalten.   Davon würden auch die Partner der Honigbiene bei der Pflanzenbestäubung, nämlich die 560 Wildbienenarten in Deutschland profitieren. Eine große Vielfalt an Pflanzen bringt eine große Vielfalt an Wildbienen hervor, und umgekehrt. Und auch das menschliche Auge erfreut sich an einer bunten Stadtnatur.

Aschaffenburg steht mit dieser Idee nicht allein: das lokale Bündnis hat sich kürzlich der 2010 gegründeten bundesweiten Initiative „Deutschland summt“ angeschlossen und wird von dieser fachlich und organisatorisch unterstützt.

 „Aschaffenburg summt! Summen Sie mit?“ fragt der in Aschaffenburg für die Aktion federführende Daniel Feldmann vom Landesbund für Vogelschutz. Er freut sich über jede und jeden der die  Initiative aktiv unterstützen möchte. Erreichbar ist er über E-Mail: daniel.feldmann@lbv.de

 

Juli 2017, Foto: Mailin Seidel (Pressestelle Stadt AB), Text: Heidi Bolch und Daniel Feldmann

Disteln - verkannt, bestechend, schön

Gabriela Bredehorn hat der Nickenden Distel ein eigenes Gedicht gewidmet
Gabriela Bredehorn hat der Nickenden Distel ein eigenes Gedicht gewidmet

Unkraut oder eine Bereicherung unserer heimischen Flora? Rund 30 Distel-Interessierte treffen sich am 23. Juli zu einer LBV-Führung in Goldbach, um mehr über die dornigen Schönheiten zu erfahren. Es gibt solch eine große Vielfalt: Zu den Distelartigen zählen unter anderem Ring-, Gold-, Kratz-, Kugel-, Esels- und Gänsedisteln. Doch anhand lebender sowie bildhafter Beispiele können die Teilnehmer die verschiedenen Arten und ihre Vorzüge besser erkennen. So erfahren sie, dass die Gänsedistel gekocht als Gemüse zubereitet werden kann und dass Gemüsesticks aus geschälten Distelstängeln sehr schmackhaft sind. Große Distel-Fans finden sich auch unter den Insekten: Über 100 Insektenarten wurden auf einer Acker-Kratzdistel nachgewiesen.

Die Samen der Disteln fliegen mithilfe kleiner federiger Schirmchen, Pappus genannt, bis zu 10 km weit. Dabei landen sie freilich auch an Plätzen, an denen sie unerwünscht sind - selbst das Weidevieh verschmäht sie. Esel scheinen sich ihrer jedoch anzunehmen - „und Ziegen!“, fügt ein Teilnehmer hinzu. Außerdem nützt die Distel nicht nur dem Distelfink und dem Distelfalter, die sie als Nahrungsquelle für Samen und Nektar schätzen. Aus der Färberdistel wird beispielsweise Distelöl gewonnen.

Die Schotten schätzen die Distel sehr und haben sie sogar zu ihrem Nationalgewächs erklärt. Nun können die Teilnehmer einen Ausschnitt aus dem Lied "Die Distel von Schottland" von Roy Williamson hören: "Es ist die Blume, die den Sturm anlacht, wenn er weht; denn je stärker das Unwetter, desto grüner wird sie". Diese Kraft und Vitalität der Pflanze ist auch vielen Landwirten und Gärtnern bekannt, die insbesondere mit der Acker-Kratzdistel zu kämpfen haben - sie schlägt ihre Wurzeln bis zu 3 m tief in die Erde. Im Biolandbau wird bereits mit einem Rostpilz experimentiert, der ausschließlich diese Pflanze befällt. Unter den Teilnehmern befinden sich jedoch überwiegend Distelfreunde, die sich die Distel vielmehr in den Garten wünschen.

Die Führung schließt mit einem Gedicht von Gabriela Bredehorn, in dem sie schreibt: "als Kraut sind sie verdammt, die Blicke, die sie strafen, seh´n nicht wie Bienen schlafen, in Federn weich wie Samt". Viele gehen nun hoffentlich mit einem erweiterten Sichtfeld nach Hause - ihre Blicke sehen die Insekten an den Blüten und die weichen Pappushaare, die die Distelsamen weit tragen werden, bis in die Gärten derjenigen, die sich am Anblick von Disteln erfreuen.

 

Juli 2017, Text und Bild: Judith Henkel

Am Exe gibt es nicht nur Wildpferde: Naturkindergarten am Wendelberg mit dem LBV unterwegs

 „Die sehen anders aus als meine Pferde zu Hause“, mit Kennerblick sieht Neo sofort, dass diese Pferde besonders sind. Die Kinder aus dem Naturkindergarten am Wendelberg sind mit ihren Erzieherinnen zum Naturschutzgebiet „Exe“ in Schweinheim gekommen, um die Wildpferde und das Naturschutzgebiet kennenzulernen. Sie haben sich im Kindergarten gut auf den Besuch vorbereitet; Aurelia hat sich den schwierigen Namen gemerkt: „Przewalski-Pferde“. Meike Kempermann vom LBV begleitet den Kindergarten, ihren Rucksack voll gepackt mit Naturerfahrungsspielen und Informationen. Einmal schon musste der gemeinsame Ausflug verschoben werden: es war zu heiß in dem schattenarmen Gelände, doch heute passt das Wetter.

Neugierig kamen die Pferde an den Zaun getrabt, das Fohlen immer schön in ihrer Mitte, um die Zaungäste zu begrüßen. Jetzt sprudelte es aus den Kindern heraus; die helle Farbe, die Zebrastreifen an den Beinen, das weiße Maul, die Stehmähne. Die kleinen Experten zählten locker die Merkmale der Wildpferde auf. Nach einer Weile hatten Pferde und Menschen genug voneinander gesehen. Die Herde zog weiter, die Kindergruppe machte sich auf den Weg, die Pferdekoppel zu umrunden. Denn es gab noch viel mehr zu entdecken. Die kleinen Naturforscher beobachteten Spinnen, Schmetterlinge und die ein oder andere Schnecke. In kleinen Spielen lernten die Kinder andere Bewohner des Naturschutzgebietes kennen: Fledermäuse, Vögel, Wildbienen, einen Frosch mit dem lustigen Namen Gelbbauchunke. Dann wurde noch ein reifer Riesenbovist gefunden und alle Kinder wollten einmal drücken, damit die Sporen sich verteilen. Zum Abschluss schauten die Kinder vom Aussichtshügel mit Ferngläsern über das Gelände. Die Pferde ließen sich nicht mehr blicken, aber der ein oder andere Naturforscher war sich ganz sicher, im Tümpel auf der Weide eine Gelbbauchunke gesehen zu haben.

Diese Woche gab es ein Wiedersehen mit den Wildpferden: die Kindergartenkinder hatten sich am Namenswettbewerb für das Fohlen beteiligt. Gesucht wurde ein Mädchenname, der mit R anfängt. Der Name Raja, den die Kinder ausgesucht hatten, gefiel der Jury am besten. Und so wurde das Wildpferdmädchen im Beisein von 24 kleinen Patentanten und –onkeln (und einigen Erwachsenen) auf den Namen Raja getauft.

 

Juli 2017, Text und Fotos: Meike Kempermann


Kein Spessart-Nationalpark

Die Entscheidung fiel am 18. Juli: Es wird leider keinen Spessart-Nationalpark geben. So viele Menschen haben monatelang gekämpft und gehofft. „Wir wollen die Situation nicht schönreden. Die Herausnahme des Spessarts aus der Liste der Kandidaten ist eine rein politische Entscheidung und daher schwer hinnehmbar, da die Region für einen Nationalpark naturschutzfachlich am besten geeignet ist“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

Für den Spessart fordert der LBV dringend die im Bericht zur Kabinettssitzung erwähnten zusätzlichen „substanzielle Maßnahmen zur Förderung des Natur- und Artenschutzes“. An der Entwicklung von Vorschlägen wird sich der LBV beteiligen und fordert eine umfassende gemeinsame Lösung für den Schutz der wichtigsten Flächen in Rhön und Spessart. So kann hoffentlich wenigstens ein Teil des bedeutenden Laubwaldgebiets erhalten werden.

"Willst Du Zitronenfalter sehen,...

...musst Du zur Wilden Karde gehen!", dichtet ein Teilnehmer der Spinnen- und Schmetterlingsführung am 9. Juli im Naturschutzgebiet "Ehemaliger Standortübungsplatz" in Aschaffenburg-Schweinheim.

Dabei ist der Zitronenfalter nur eines von vielen Insekten, die es zu beobachten gibt. Michael Herrmann führt die interessierten Zuhörer an die verschiedenen Insekten-Gruppen heran. Gleich zu Beginn rätseln alle darüber, wieviele Tonnen Insekten die Spinnen weltweit fressen. Richtige Antwort: 800 Millionen Tonnen - die doppelte Menge dessen, was die Menschen jährlich an Fleisch und Fisch verzehren. Da kann man den kleinen Krabblern nur dankbar sein, denn sonst hätten wir sehr viel mehr Probleme mit Mücken und Co.

Die zweite Gruppe - die Falter - lassen sich zunächst in Tag- und Nachtfalter einteilen, wobei es viel mehr Nachtfalter-Arten gibt. „Tagfalter klappen ihre Flügel immer nach oben", weiß Michael Herrmann, „die Nachtfalter dagegen falten die Flügel ziegelartig flach übereinander". Es gibt so viel zu lernen, beispielsweise über die Spanner, die zu den Nachtfaltern zählen und ihren Namen der Fortbewegungsweise ihrer Raupen verdanken, oder über die Spinner, ebenfalls Nachtfalter, die sich in einem gesponnenen Kokon verpuppen.

Dabei kommt den Tagfaltern mit ihren oft bunten Farben und großen Flügeln meist mehr Beachtung zu - so auch an diesem Tag. Ochsenauge und Kleines Wiesenvögelchen zählen leicht erkennbar zu den Augenfaltern, obwohl sie recht unscheinbar sind. Auffälliger sind der Admiral, der zu den Wanderfaltern gehört und damit wie ein Zugvogel in eine bestimmte Richtung wandert, und der Schwalbenschwanz, „ein Vagabund, der kein bestimmtes Ziel verfolgt", wie Michael Herrmann erklärt.

Mehrere Schmetterlinge wie Admiral und Kleiner Fuchs benötigen die Brennnessel als Raupen-Futterpflanze. „Deshalb sollte man ruhig im Garten eine etwas wildere Ecke stehen lassen", rät der Insektenspezialist.

Die Teilnehmer nehmen noch viel mehr mit - Kenntnisse über die Überwinterungsstrategien verschiedener Arten wie die des Zitronenfalters, der einfach vereist und im Frühjahr wieder auftaut, über unterschiedliche Trachten wie die des Landkärtchens, das nun im Sommer anders „gekleidet" ist als im Frühling und über die Baldachinspinne, die ein baldachinförmiges Netz spinnt und durch den Wind Hunderte Kilometer verbreitet werden kann. Spannende Thematik!

Wer mehr erfahren möchte, kommt am 06.06. bei der Offenen Gartentür zum Thema Schmetterlinge oder am 10.09. zum Thema Spinnen um 14 Uhr in den LBV-Naturerlebnisgarten in Kleinostheim!

 

Juli 2017, Bilder: Z. Tunka und Judith Henkel, Text: Judith Henkel


Kunst & Natur und 50-Jahres-Feier

Zum 50. Geburtstag der LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg fand am Sonntag, den 25. Juni wieder die bewährte Veranstaltung „Kunst & Natur“ statt.

Viele Künstler aus der Region zeigten ihre Werke aus Ton, Stein, Flechtwerk oder Holz und weiteren Naturmaterialien, ein buntes Programm für Kinder und die schöne Umgebung des Kleinostheimer Naturerlebnisgartens sorgten für einen unvergesslichen Tag:

Eingeläutet wird die Feier am Vormittag durch Grußworte, lustige und nachdenkliche, sowie durch ein Gedicht der zweiten Vorsitzenden Ellen Kalkbrenner über die 50-jährige Entwicklung der Kreisgruppe. Es sind viele Leute gekommen, unter anderem der 1. Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz Norbert Schäffer und der Aschaffenburger Bürgermeister Jürgen Herzing.

Nach einem „Happy Birthday“-Ständchen wird gefeiert und gestaunt: über alte und neue Fotos von LBV-Aktionen, den Garten und die vielen Kunstwerke, die heute ausgestellt sind. Eine Trommlergruppe bringt so manchen Zuhörer in Schwung und an den Tischen wird gegessen und gelacht. Von Schlaraffenburger wird ein leckeres Apfelweizen angeboten und die Kinder können gleich an verschiedenen Stationen ein Marionettentheater erleben, Wassertiere erforschen oder basteln.

Einige Künstler zeigen die Herstellung ihrer Werke wie das Flechten eines Korbs, der LBV-Aktive Björn Reibert zeigt einige seiner besonderen Naturfotografien - und wer davon inspiriert ist, kann am 02. September an einem Workshop von ihm teilnehmen. Doch auch direkt vor Ort kann jeder ein Foto von sich selbst erstellen - mithilfe einer Fotobox, die heute viele Momente festhält. Die Sonne zeigt sich am Himmel und auf den Gesichtern der Besucher - ein gelungenes Fest.

 

Hier gehts zum Filmbeitrag von Thomas Staab

 

1967 gründete Bernd Hofer die LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg, seine Frau Traudl Hofer legte mit der ersten Kindergruppe den Grundstein für die Naturschutzjugend des LBV. Seit damals werden ebenso viele interessante Veranstaltungen für Erwachsene angeboten. Die LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg ist heute mit fast 2200 Mitgliedern eine der stärksten Gruppen in Bayern. Ehrenamtliche sind in 13 Arbeitskreisen und 5 Ortsgruppen für unsere Umwelt tätig. Das sind gute Voraussetzungen für die nächsten 50 Jahre.

 

Juni 2017, Bilder: Thomas Staab Text: Judith Henkel


Der Bayerische Rundfunk beim LBV

Wieder ein besonderes Ereignis bei der LBV-Kreisgruppe: Es ist Mittwoch, der 21. Juni, und im schönsten Sonnenschein kommt der Bayerische Rundfunk im Rahmen der Mainfrankentour zum Motto Umweltbildung in den Naturerlebnisgarten!

Für Essen und Trinken ist gesorgt und auf der Bayern 1-Bühne an der Streuobstwiese werden Interviews mit mehreren Aktiven geführt, die live gesendet werden.

Die Aschaffenburger Kreisgruppe wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Traudl Hofer, die zu den Gründungsmitgliedern zählt, kann so einiges über die Geschichte und das Werden des hiesigen LBVs berichten: Der Mitgliedsbeitrag betrug beispielsweise zu Beginn drei DM im Jahr.

Was der LBV überhaupt ist, erklärt Thomas Staab, der die Kleinostheimer Umweltstation leitet und zum Thema Umweltbildung im Naturerlebnisgarten darstellt, was im Laufe eines Jahres dort so alles unternommen wird.

Der 1. Vorsitzende Richard Kalkbrenner erzählt über die Nachwuchsförderung des LBVs, ergänzt von Daniel Feldmann, der das momentan anlaufende Projekt „Aschaffenburg summt“ leitet, und von Meike Kempermann, die sich erfolgreich für Kinder und Jugend beim LBV einsetzt.

Zum Thema Vogelschutz pfeift Gerd Andres den Ruf des Steinkauzes und erläutert die Situation der Steinkäuze und anderer Vogelarten am Untermain, und auf das Thema Fledermäuse geht Thomas Bormann näher ein.

Zu guter Letzt spricht Burkhardt Merget, der unter anderem als Nebenerwerbslandwirt tätig ist, was er am LBV schätzt - zum Beispiel das Netzwerkdenken. Und Alex Vorbeck stellt das Schlaraffenburger-Projekt vor, das stark zur Streuobstförderung am Untermain beiträgt.

Die leckere Wald- und Wiesenpizza von Roland Mayer aus dem garteneigenen Lehmbackofen schmeckt so gut wie sie duftet. Es duften auch die Kräuter, die in Töpfen auf der Bühne aufgereiht werden: anhand des Geruchs sollen Freiwillige aus dem Publikum erkennen, um welches Kraut es sich handelt.

Insgesamt kann sich der LBV hervorragend präsentieren und alle sind sich einig, dass die gute Atmosphäre in der Kreisgruppe spürbar ist.

Und sie blüht immer weiter auf! Im nächsten Jahr werden mehrere Projekte starten und ausgebaut werden, die hier näher vorgestellt werden. Insgesamt liegt damit ein Schwerpunkt auf dem großen Thema „Stadtnatur“ - und es werden sicher viele Arten, von der kleinen Wildbiene bis zur großen Schleiereule, davon profitieren!

Wir danken allen Helfern, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben! Auch das Main-Echo hat über diesen Tag berichtet. Eine prima Einleitung für die Veranstaltung „Kunst & Natur“, die in der gleichen Woche stattfindet.

 

Juni 2017, Bilder: Thomas Staab, Text: Judith Henkel


Andrea Kammer gewinnt Fotowettbewerb

Diese zwei hungrigen Gesellen hat Andrea Kammer festgehalten
Diese zwei hungrigen Gesellen hat Andrea Kammer festgehalten

Bei der Stunde der Gartenvögel, über die hier mehr zu finden ist, findet jedes Jahr ein Fotowettbewerb statt.

Aus über 1000 Fotos ging der Sieg dieses Jahr an Andrea Kammer, die in unserer LBV-Kreisgruppe aktiv mitarbeitet und allein in ihrem Garten schon ein kleines Naturparadies geschaffen hat.

Das Bild zeigt zwei junge Rauchschwalben und wird im offiziellen Faltblatt zur Stunde der Gartenvögel 2018 über 50000 Mal gedruckt werden.

Wir freuen uns sehr für sie! In der Flickr-Galerie des LBV können Sie auch alle restlichen Fotos bestaunen.

Am 02. September bietet Björn Reibert im LBV-Naturerlebnisgarten einen Workshop zum Thema Naturfotografie an, zu dem Sie sich bei uns anmelden können. Auch Andrea war schon bei mehreren Workshops dabei - es hat sich gelohnt!

 

Juni 2017, Bild: Andrea Kammer Text: Judith Henkel

Eine Auszeichnung für Schwalbenfreunde...

...kann verliehen werden, wenn jemand sein Haus mit den Gebäudebrütern teilt. Am 08. Juni erhielt Familie Herold vom Landgasthaus Waldmichelbacher Hof in Bessenbach (www.waldmichelbacher-hof.de) diese Auszeichnung.

Bei ihnen finden zahlreiche Tiere ein Zuhause und insbesondere die Pferdeställe beherbergen über 20 Rauchschwalben, die ständig ein- und ausfliegen und hier den Frühling und Sommer verbringen. Auch für menschliche Gäste bleiben hier mit Gasthaus, Ferienwohnung und dem eigenen Hofladen keine Wünsche offen.

Die Rauchschwalben fangen Fliegen und Mücken, halten ihr Nest sauber und sind wunderschön anzusehen. Früher brüteten sie an steilen Felsen, doch mit dem Häuserbau nisteten sie in Menschennähe und haben es heute schwer, in unseren modernen Siedlungen Nistmöglichkeiten und Nahrung zu finden.

Kennen Sie auch jemanden, bei dem Gebäudebrüter wie Schwalben willkommen sind? Gerne zeichnen wir weitere Häuser und Höfe als schwalbenfreundlich aus.

Wir werden uns in den kommenden Monaten und Jahren verstärkt um Gebäudebrüter kümmern. Falls Sie bei diesem Projekt mithelfen möchten: jede helfende Hand ist gern gesehen! Jeder kann dazu beitragen, dass die Bestände von Schwalben, Mauersegler und Co. stabil bleiben und wieder wachsen. Und verhindern, dass wir jemals einen stummen Frühling erleben.

 

Juni 2017, Bild: Ralph Sturm Text: Judith Henkel


Für die diesjährigen Jubilare...

Freudig im Sonnenschein: Jubilare und Unterstützer des LBV Aschaffenburg
Freudig im Sonnenschein: Jubilare und Unterstützer des LBV Aschaffenburg

...fand am 2. Juni eine Führung durch den Naturerlebnisgarten in Kleinostheim statt. Die zweite Vorsitzende Ellen Kalkbrenner erklärte die unterschiedlichen Lebensräume wie Hecke, Magerrasen und Streuobstwiese. Der Garten ist ein wichtiger und vielfältiger Standort für Umweltbildungsveranstaltungen - „und wunderschön” fanden die Teilnehmer. Hier können Kinder an ihrer Geburtstagsfeier die Natur näher kennen lernen, an den „Offenen Gartentüren” erfahren die Besucher mehrmals im Jahr Spannendes über Kräuter, Libellen, Spinnen oder den Lebensraum Wasser, und viele Tiere und Pflanzen haben hier ihr Zuhause.

All dies wird möglich gemacht durch die Unterstützung der Mitglieder. Die Führung war somit ein kleines Dankeschön - und ein Einblick in das, wozu die langjährige Mitgliedschaft der Jubilare beigetragen hat.

 

Juni 2017, Bild: Ellen Kalkbrenner Text: Judith Henkel

Workshop Naturfotografie

Die Natur ist faszinierend und wunderschön - doch wie kann man besondere Momente oder Stimmungen einfangen und festhalten? Experte ist hier Björn Reibert vom LBV Mömbris, der sein Wissen in einem Workshop am 27. Mai weitergab:

Die Teilnehmer treffen sich bei Sonnenschein im Naturerlebnisgarten in Kleinostheim, ausgerüstet mit „Fotowerkzeug" und guter Laune. Björn Reibert stellt sich vor und seine Begeisterung für die Natur und den LBV steckt an.

Ein Highlight an diesem Tag ist die Möglichkeit, Bienen und ihre Waben aus direkter Nähe zu fotografieren. Ein Imker ist vor Ort, der über das Bienenvolk und die verschiedenen Stadien der Waben berichtet. Was als Bienenei beginnt, entwickelt sich von der Rundmade weiter zur Streckmade, bis  sich die Bienen verpuppen und schlüpfen. Mehr darüber lässt sich beim Projekt „Aschaffenburg summt" lernen, das im Juli beginnen wird und bei dem der LBV, Imker und das Umweltamt mitwirken. Fotomaterial ist ja nun bereits entstanden!

Nach einer ausgiebigen Fotosession mit Tipps und viel Spaß tauschen sich alle über ihre Erfahrungen aus. Jetzt wird über den Sommer draußen weitergeübt - bis zum nächsten Naturfotografieworkshop am 02. September.

 

Juni 2017, Bilder: Andrea Kammer Text: Judith Henkel


Ein Herz für den Nationalpark Spessart

Diese Bürger und Umweltverbände wünschen sich für den Spessart einen Nationalpark
Diese Bürger und Umweltverbände wünschen sich für den Spessart einen Nationalpark

Im Juli soll entschieden werden, ob im Spessart ein Nationalpark entstehen wird oder nicht. Über 40 Befürworter aus der Region sowie Vertreter der Bürgerbewegung Freunde des Spessarts und der Umweltschutzverbände BUND Naturschutz Bayern (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV), WWF und Greenpeace kamen anlässlich des europaweiten Aktionstags der Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke („Tag der Parke“) am 24. Mai zusammen, um ein Zeichen für einen Spessart-Nationalpark zu setzen.

„Mit dieser symbolischen Aktion möchten wir zeigen, dass ein Nationalpark im Spessart gewollt wird“, sagt Sandra Hieke, Waldexpertin von Greenpeace. „Die Buchen hier in der Umgebung sind fast 200 Jahre alt. Diese zusammenhängenden Laubwälder machen den Spessart so besonders und schützenswert.“

Auch der LBV wünscht sich, dass die zusammenhängenden Laubwälder, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt, durch einen Nationalpark den notwendigen Schutz erhalten, in und unter den Bäumen, die dann endlich wieder richtig alt werden könnten, noch viele Tiere, Pflanzen und Pilze einen Lebensraum finden.

 

Juni 2017, Bild: Andreas Varnhorn/Greenpeace

Führung zu den Neuntötern

Auf ehemals gefährlichem Gelände des Truppenübungsplatzes in Aschaffenburg-Schweinheim geht es für einige immer noch sehr gefährlich zu: Der Neuntöter, auch Rotrückenwürger genannt, lebt hier und spießt seine Beutetiere zur Vorratshaltung auf Dornen auf. Früher glaubte man, er müsse zunächst neun Beutetiere aufspießen, bevor er sie frisst.

Um diese faszinierenden Vögel besser kennen zu lernen, führt Roland Mayer vom LBV am 18. Mai eine Gruppe Interessierter in das heckenreiche Naturschutzgebiet »Ehemaliger Standortübungsplatz und Altenbachgrund«. Begeistert beobachten die Teilnehmer ein Neuntöter-Männchen mit der typischen Zorromaske. Weiter unten im Gebüsch sitzt das unscheinbarere Weibchen - die beiden haben sich also bereits gefunden, was nicht selbstverständlich ist. "Zuerst kehren die Männchen zurück", erklärt Roland Mayer. "Wenn die Weibchen dann ca. eine Woche später an einem Standort auftauchen, können sie gleich herausfinden, ob es dort ein Männchen gibt oder ob sie weiterfliegen müssen". Da der Neuntöter die weite Strecke von Afrika bis hierher auf sich nimmt, kommt er als einer der letzten nach Deutschland zurück.

Mittlerweile ist der Neuntöter hier schon etwas Besonderes. "Sein Lebensraum, Hecken eingebettet in offene Landschaften, nimmt immer mehr ab", erklärt Roland Mayer. Außerdem geht der Insektenbestand, der den größten Nahrungbestandteil für den Neuntöter darstellt, durch Insektizide mehr und mehr zurück.

Alle können viel über diesen "Dornendreher" erfahren und werden nun in nächster Zeit zu weiteren Beobachtungen öfters in das Naturschutzgebiet kommen.

 

Mai 2017, Bild und Text: Judith Henkel


Alle Vögel sind nun da...

Auch der Kleiber konnte im Goldbacher Wald gehört werden. Er kann als einziger heimischer Vogel senkrecht den Stamm hinunterlaufen
Auch der Kleiber konnte im Goldbacher Wald gehört werden. Er kann als einziger heimischer Vogel senkrecht den Stamm hinunterlaufen

...und am Mittwoch, den 17. Mai fand in Goldbach der letzte Vogelstimmenspaziergang für Einsteiger statt:

Blauer Himmel und Sonnenschein machen die Gesänge der Vögel zu einem noch genussvollerem Erlebnis. Unter der gewohnt fachkundigen Leitung von Gerd Andres lernen die Teilnehmer nicht nur, einzelne Arten aus dem Vogelstimmenchor herauszufiltern. Jeder der Vogelfreunde bringt ein großes Interesse mit und die Themen wandern von der Vielfalt der Gesänge, die bis in den Ultraschallbereich gehen, weiter zu dem unterschiedlichen Brutverhalten. "Spannend ist es bei dem Kuckuck", weiß Gerd Andres. "Er legt seine Eier nur in Nester von Vögeln, deren Brutverhalten ihrem eigenen Nachwuchs gelegen ist". Ein Beispiel ist das Gelege des Sumpfrohrsängers: Das Kuckucks-Ei passt farblich zu den Rohrsänger-Eiern, doch der Kuckuck schlüft früher und wirft dann die Eier des Rohrsängers aus dem Nest. So wird nur er von den Zieheltern großgezogen. "So ist das in der Natur" erklärt Gerd Andres nüchtern, "das gehört dazu".

In den fast drei Stunden erfahren alle Interessierten noch eine Menge über die Vogelwelt. Es werden bereits Fragen nach weiteren Führungen und Themen laut. Die nächste findet zeitnah statt: Am Abend des 18. Mai führt Roland Mayer an der Aschaffenburger Exe die Naturfreunde zu den Neuntötern...

 

Mai 2017, Bild und Text: Judith Henkel

Besondere Bäume im Park Schönbusch

Bäume faszinieren und erzählen eine eigene Geschichte
Bäume faszinieren und erzählen eine eigene Geschichte

Ohne Bäume (und Büsche) wäre der Park Schönbusch in Aschaffenburg nicht das, was er ist. Ganz besondere, teils geradezu exotische Bäume lernte eine Gruppe Naturverbundener am Sonntag, den 7. Mai kennen. Seit dem 18. Jahrhundert sind immer wieder Gehölze aus der ganzen Welt in den Schöbusch gebracht worden, damit sich jeder an ihnen erfreuen kann.

Der Irrgarten im Park Schönbusch kann verwirrend sein - ebenso auch einige der besonderen Bäume. Unweit des Irrgartens steht beispielsweise eine Eichenblättrige Linde, eine Zuchtform der Sommer-Linde mit eichenähnlichen Blättern. Im Gegensatz dazu steht etwas weiter die Schindel-Eiche, deren Blätter gar nicht mehr so recht an eine Eiche erinnern. Ihr Holz wurde früher für die Schindelherstellung genutzt.

Einfacher ist es bei einer Ess-Kastanie, die viele der Teilnehmer bereits kennen. Leider steht sie allein, obwohl sie auf Fremdbestäubung angewiesen ist. So bildet sie nur "taube" Früchte, aus denen keine heißen Maroni werden. Wer sich auf kulinarische Ideen gefreut hat, kann vielleicht im Herbst die Nüsse der Schwarz-Nuss oder der Mandschurischen Nuss probieren, die mit der Walnuss verwandt sind.

Die Blüten des Maiglöckchenbaums am Speisesaal sind fast verblüht, doch die Pracht der Ross-Kastanienblüten kann zurzeit bestaunt werden. Und einige Bäume wie die Trompetenbäume und der Götterbaum werden ihre blühende Schönheit erst noch zeigen.

Aufgelockert durch Fragen und Ergänzungen der Teilnehmer ist es ein schöner Spaziergang und es hat sich gelohnt, trotz des leichten Nieselwetters in den Schönbusch zu kommen. Hier gibt es natürlich noch sehr viel mehr Bäume als die vorgestellten, sodass es bei zukünftigen Spaziergängen im Park noch viel zu entdecken gibt.

 

Mai 2017, Bild und Text: Judith Henkel

Vogelstimmenspaziergang für Einsteiger in Goldbach

Weit bekannt und doch mit vielen verschiedenen Gesangsmotiven: die Blaumeise
Weit bekannt und doch mit vielen verschiedenen Gesangsmotiven: die Blaumeise

Eine Menschengruppe steht am Goldbacher Waldfriedhof, den Blick nach oben gerichtet: So versuchen die Naturfreunde an diesem Mittwoch, den 26. April, mehr über die Sprache der Vögel zu lernen. Unter der Leitung von Gerd Andres hören sie auf Amsel, Drossel, Fink und Star.

Die Vögel erleichtern den Anfang, da zunächst nur wenige von ihnen singen und meist auch hintereinander: Der flötende Gesang der Amsel, der Finkenschlag des Buchfinken und das erzählende Lied der Mönchsgrasmücke sind zu vernehmen. Einige Meter weiter singt ein Trauerschnäpper. "Das ist schon etwas Besonderes", freut sich Gerd Andres, "den Trauerschnäpper hört man nicht überall und nur für kurze Zeit".

Zwischen der kurzen Melodie eines Gartenbaumläufers und dem "Wie-hab-ich-Dich-so-lieb"-Gesang der Goldammer hören die Teilnehmer plötzlich aus nächster Nähe den Balztriller eines Kleibers. Diesmal handelt es sich allerdings nur eine Aufnahme aus einem Bestimmungsbuch, die heitere Verwirrung löst sich auf. Dem Lerneifer der Gruppe kommt das entgegen, den Kleiber-Ruf kennen sie nun also auch.

Mit vielen neuen Eindrücken endet der Spaziergang schließlich, noch immer begleitet vom letzten Abendgesang einiger Vögel. Eine Fortsetzung folgt: Am 17. Mai wird es am Goldbacher Waldfriedhof um 18 Uhr den nächsten Vogelstimmenspaziergang geben. Bis dahin sind hoffentlich alle Vogelarten zurückgekehrt, sodass es sicherlich spannend wird.

 

April 2017, Bild und Text: Judith Henkel

Flächenpflege in Kleinkahl

Die wertvollen Flächen des LBVs können in ihrer Artenausstattung nur durch Pflege so erhalten werden - und so macht sich am Samstag, den 8. April eine motivierte LBV-Truppe auf den Weg in den schönen Kahlgrund. Ausgestattet mit Säge, Astschere und Rechen können es insbesondere die zwei jüngsten Helfer Mark und Patrick kaum erwarten, Hand anzulegen: Erlen müssen entfernt werden, Flächen mit blühenden Schlüsselblumen, Sumpfdotterblumen und Märzenbechern werden freigestellt.

Schnell arbeiten sich alle warm, die Gespräche sind anregend und die Brotzeit schmeckt zwischenzeitlich besonders gut. Mit solch einem Team macht Flächenpflege großen Spaß. Nun sind alle gespannt, welche Tiere und Pflanzen es demnächst auf den Flächen noch zu entdecken gibt, denn in diesem Jahr werden alle Flächen des LBVs neu kartiert.

Vielen Dank an alle Helfer! Wir freuen uns auf den nächsten Einsatz, bei dem natürlich jeder willkommen ist. Zwei Hände und Lust an der Natur - mehr braucht es nicht, um bei der Flächenpflege mitzumachen.

 

April 2017, Fotos: Richard Kalkbrenner Text: Judith Henkel

Vortrag: Der Igel am Untermain

Martina Gehret klärt über den Igel auf
Martina Gehret klärt über den Igel auf

Igel sind bekannt und beliebt - trotzdem wissen wir recht wenig darüber, wie Igel in der modernen Landschaft zurechtkommen. Martina Gehret vom LBV kennt sich dagegen bestens mit den kleinen Stachelbällen aus und teilte dieses Wissen am 6. April vor interessierten Igelfreunden.

Mit kurzen Filmen und viel Humor erfahren die Zuhörer, dass Igel in ihrer jetzigen Form bereits seit 15 Millionen Jahren existieren. Sie haben eine hervorragende Nase und hören bis in den Ultraschallbereich. Mit 8000 Stacheln und ihrem Ringmuskel können sie sich gegen viele Feinde wehren - nur der Uhu hat da noch eine Chance.

Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung, dass Igel Milch oder Obst als Nahrung brauchen, bevorzugen sie Insekten: "Ihre Lieblingsspeise sind Laufkäfer", erklärt Martina Gehret, "doch sie mögen auch Regenwürmer, Schmetterlingsraupen oder Ohrwürmer". Damit sie sich im Garten wohl fühlen, muss dieser vor allem gut zugänglich sein und genügend Nahrung und Wasser, Verstecke und Bewegungsfreiheit garantieren. Die nachtaktiven Einzelgänger können große Strecken zurücklegen und das Revier eines Männchens ist durchaus bis zu 100 ha groß.

Nach der Paarungszeit, die bei uns meist zwischen April und Juni liegt, verlassen die jungen Igel nach 35 Tagen zum ersten Mal das Nest: Nun kann man sie auch tagsüber sehen. "Allerdings sollten sie keinesfalls gestört werden", warnt Martina Gehret, "sie sind normalerweise nicht hilfsbedürftig."

Gefährlich sind für den Igel Rasenroboter und Autos, manchmal auch Hunde, Schafzäune - oder falsch verstandene Tierliebe. Erst ab November kann für einen gefundenen jungen Igel der Winterschlaf gefährdet sein. Auf der Seite www.igel-in-bayern.de findet jeder Tipps und Informationen über das richtige Verhalten beim Fund eines Igels. Hier können auch gesichtete Igel gemeldet werden, um mehr über die Verbreitung und Gefährung von Igeln herausfinden zu können. Außerdem gibt es eine Anleitung für einen Igeltunnel. Damit kann jeder erfahren, ob im eigenen Garten Igel wohnen und es ist ein großer Spaß für Kinder.

Über das geheime Leben des Igels ist nun so einiges bekannt - doch viele Fragen sind noch immer offen. Daher gibt es das Citizen-Science-Projekt "Igel in Bayern", das im Folgenden noch kurz vorgestellt wird. Nach der aufschlussreichen Präsentation von Martina Gehret werden dort in Zukunft sicher mehr Igelmeldungen aus Unterfranken eingehen.

 

April 2017, Bild: Richard Kalkbrenner Text: Judith Henkel

Jahreshauptversammlung und Ehrungen des LBV Aschaffenburg

Der Saal ist voll bei der Jahreshauptversammlung der LBV-Kreisgruppe Aschaffenburg: Über 60 Mitglieder treffen sich am Abend des 23.03., um etwas über die Arbeit der vergangenen und der kommenden Jahre zu erfahren. Der 1. Vorsitzende Richard Kalkbrenner berichtet mit einer Powerpoint-Präsentation über die verschiedenen Arbeitskreise und wie sie gewachsen sind. Genau wie die Mitgliederzahlen, die nun bei über 2200 liegen.

Auch die unterschiedlichen Ortsgruppen stellt er vor - nicht wenige der Aktiven dort haben im Lauf der letzten Jahre Preise für ihr Engagement verliehen bekommen, wie den Umweltpreis des Landkreises oder den Grünen Engel. Durch diesen besonderen Einsatz, den die LBVler immer wieder zeigen, konnten Tierarten wie Amphibien, Vögel wie Uhu und Steinkauz, Fledermäuse oder Biber erhalten und ihr Lebensraum gesichert werden. Durch Umweltbildungsveranstaltungen und in Kinder- und Jugendgruppen wird das Wissen darüber ansteckend und motivierend weitergegeben.

Damit das auch weiterhin koordiniert und geleitet werden kann, gibt es unter anderem den Vorstand. Dieser wird nun, nach der Offenlegung des Kassenberichts durch Dietrich Böhme, entlastet und neu gewählt. Alle sind zufrieden, wodurch sich an der Zusammensetzung des Vorstands nicht viel ändert. Es gibt einige neue Delegierte, die die Kreisgruppe an der Delegiertenversammlung des gesamtbayerischen LBVs einmal jährlich vertreten.

2017 ist ein besonderes Jahr - neben den Neuwahlen steht auch das 50-jährige Jubiläum der Kreisgruppe Aschaffenburg an, das im Rahmen der Veranstaltung "Kunst und Natur" am 25. Juni gefeiert werden wird. Genauso lange - 50 Jahre - sind auch einige Mitglieder bereits Teil des LBVs: hierfür werden mehrere Anwesende geehrt, ebenso auch für 10, 20 und 30 Jahre Mitgliedschaft. Die zweite Vorsitzende Ellen Kalkbrenner überreicht jedem Jubilar Urkunde, Anstecknadel und ein Geschenk aus dem Schlaraffenburger Streuobstprojekt.

Im Anschluss ist Raum für vielfältige Gespräche und die Beantwortung von Fragen. Diese Gegenseitigkeit zieht sich durch den Abend: Mitglieder schenken Ressourcen wie Zeit oder Geld für die Natur vor Ort, und durch den LBV erhalten Sie Informationen, Hilfestellung und Einblicke in das Resultat - die Vielfalt und die stabilen Ökosysteme, die dadurch geschaffen werden können.

 

März 2017, Bilder: Claus Fries Text: Judith Henkel


Bei den Wilden Pferden im Naturschutzgebiet Exe

Wiehern und Hufgetrappel neun wilder Pferde, die über weites Land galoppieren: Es ist Sonntag, der 19. März, und über 60 Interessierte wollen mehr über die Przewalski-Stuten erfahren, die Jacqueline Knoll als Pflegerin kennt und liebt. Sie kommen auf Zuruf sogar heran.

Frau Knoll führt die Gruppe einmal komplett um das umzäunte Areal herum. Mehrere Aussichtpunkte garantieren dabei einen guten Blick auf die Tiere, die hier seit August 2016 leben. Das 70 ha große Gelände wurde von deutschen Soldaten zunächst als Exerziergelände genutzt, später diente es den Amerikanern als Panzertrainingsstrecke. Im Rahmen einer Baumaßnahme der Bahn konnte es schließlich als Ausgleichsfläche für die Natur herhalten. Die Pferde übernehmen nun als eine Art "natürlicher Panzerersatz" die Aufgabe der Landschaftspflege: Sie schützen das Weideglände vor Verbuschung und schaffen durch ihr natürliches Verhalten offene Sandstellen und Tümpel für viele andere Tierarten. Im Sommer wird ein Teil des Geländes zusätzlich mit Schafen beweidet.

Jacqueline Knoll kennt jedes der Tiere beim Namen. Sie kommen von den unterschiedlichsten Orten wie Berlin oder Helsinki. Der Bestand der Przewalski-Pferde war weltweit stark zurückgegangen und die heutige Population geht auf gerade einmal 13 Tiere zurück. Die Aschaffenburger Tiere sind alle noch sehr jung, doch in zwei Jahrem soll ein Hengst die Herde ergänzen und irgendwann für Nachwuchs sorgen. Dabei werden Zucht und Wiederansiedlung streng überwacht.

Hier in Schweinheim herrschen ideale Bedingungen. Unter Bussarden, Turmfalken und Neuntötern grast die Stutenherde. Sie benötigen kein zusätzliches Futter und der bereitsgestellte Unterstand wird bisher nicht genutzt - es sind eben echte Wildpferde, die Hitze bis 40 und Kälte bis minus 30 Grad ertragen. "Drei Stuten balgen zurzeit noch um die Vorherrschaft", erzählt Frau Knoll. An der anregenden Diskussion beteiligen sich sowohl die anwesenden Kinder als auch fachlich versierte Erwachsene. Insgesamt ist es eine gelungene Führung, die es in Zukunft sicher noch einmal geben wird!

 

März 2017, Fotos: Richard Kalkbrenner Text: Judith Henkel

Vogelstimmenwanderung im Park Schönbusch

Im letzten Licht eines schönen Tages horchen die Teilnehmer auf Gerd Andres und die Vogelstimmen der Umgebung
Im letzten Licht eines schönen Tages horchen die Teilnehmer auf Gerd Andres und die Vogelstimmen der Umgebung

Die Dämmerung naht an diesem 15. März und rund 40 Vogelfreunde sind ganz Ohr: Wer singt, klopft oder ruft zur Abendzeit im Park Schönbusch? Variationsreich und doch mit vielen Wiederholungen tönt es von weit oben im Baum. "Das ist die Singdrossel", weiß Gerd Andres vom Landesbund für Vogelschutz, "sie ist bekannt für ihre wiederholten Melodien".

Ganz absichtlich hat er diese frühe Zeit im Jahr für die erste Vogelstimmenwanderung gewählt, damit den Einsteigern die Unterscheidung der Vogelstimmen leichter fällt: Jetzt sind viele Zugvögel noch nicht wieder zurück, woduch die Anzahl der Sänger überschaubar bleibt. An der nächsten Kreuzung flötet es von rechts und von links, zwei Rotkehlchen lassen ihr schönes Lied vernehmen. "Im Winter singen bei den Rotkehlchen sogar die Weibchen", erklärt Gerd Andres. Während zwei Kleiber kopfüber einen Stamm hinunterlaufen, hören die Teilnehmer eine Amsel - und wieder die Singdrossel, die während des gesamten Spaziergangs nicht müde wird, zu pfeifen und zu tönen. Der Buchfink lässt sich an diesem Abend gar nicht blicken, obwohl er eine der häufigsten Brutvogelarten Deutschland ist. Menschen unterschiedlichster Altersgruppen nehmen sich an diesem Abend Zeit, um innezuhalten und zuzuhören. In der Böschung blüht der Lerchensporn, am Wegrand sitzt eine Kröte. Einige Kormorane ziehen über die Gruppe hinweg.

Der Rundgang endet am Aussichtsturm mit Ausblick auf eine große Graureiherkolonie: "Hier ist immer etwas los", kommentiert der Vogelspezialist Gerd Andres das Gezanke einiger Reiher. Sie schlafen nachts in hohen Bäumen, in denen sie meist auch ihre großen Nester bauen, oder am Ufer. Gerd Andres erzählt: "In Bayern gibt es 2500 Brutpaare. Wie der Kormoran unterliegt der Graureiher dem Jagdrecht und darf in einer bestimmten Zeit zur Verhinderung von wirtschaftlichen Schäden bejagt werden".

Viele begeisterte Teilnehmer wollen gar nicht gehen: "Das ist ein ganz neuer Zugang zu der Vogelwelt um uns herum", sagt eine Teilnehmerin. In den nächsten Wochen können alle üben - bei geöffnetem Fenster, im Garten oder bei einem Spaziergang. Die nächste Vogelstimmenwanderung findet am Mittwoch, den 26. April in Goldbach am Steinertsweg beim Parkplatz am Waldfriedhof statt. Hier können alle ihr Wissen nach und nach erweitern.

 

März 2017, Bild: Ellen Kalkbrenner, Text: Judith Henkel

Vogelkunde für Einsteiger

Reges Interesse an den Vögeln
Reges Interesse an den Vögeln

Rund 25 Vogelfreunde wollten am Mittwoch, den 8. März erfahren, was denn da so zwitschert und singt.

Der LBV-Aktive und Vogelexperte Gerd Andres vermittelte in seinem Vortrag das ganze Handwerkszeug, um unsere heimischen Singvögel richtig zu erkennen. Dabei ging er auf Themen wie Ausüstung und Verhaltensregeln ebenso ein wie auf die Systematik der Vögel sowie wichtige Fachbegriffe.

Anregend und unterhaltsam wurden die Zuhörer an die Ornithologie herangeführt. Erste Bestimmungshilfen sind dabei die Silhouette bzw. die Gestalt des Vogels, sein Verhalten und seine Nahrung. Dazu stellte Gerd Andres einige Beispiele vor wie den Haussperling bzw. Spatz: An seinem kräftigen Schnabel ist er als Körnerfresser zu erkennen, wodurch man mithilfe eines Bestimmungsbuchs schnell bei den Sperlingen landet.

Die 30 häufigsten Singvögel wurden anschaulich anhand von Bildern und Informationen präsentiert; 15 von ihnen auch anhand des Gesangs oder des Rufs. Der Vortrag war zugleich eine Einstimmung auf die drei kommenden Vogelstimmenwanderungen, von denen die erste bereits nächste Woche stattfindet (am 15. März). "Nach diesen drei Abenden kennen Sie alle diese 15 Vögel!", versicherte Gerd Andres den Anwesenden.

Es geht dabei um wahre Meister ihres Fachs: Der winzige Zaunkönig kann beispielsweise mit seinem Gesang eine Lautstärke von 90 dB erreichen, was mit einem LKW vergleichbar ist. Er baut seiner Auserwählten mehrere Nester, von denen sie sich schließlich eins aussuchen darf. Die Stare, die zurzeit vielerorts in Trupps unterwegs sind, können andere Vögel hervorragend nachahmen.

Gerd Andres zeigte den Zuhörern, dass im Vogelreich längst nicht nur gesungen wird, sondern gerufen, gespottet, geschnurrt und gezirpt. Auch Instrumentallaute wie das Klappern der Störche, der wummernde Sturzflug einer Bekassine oder das Trommeln eines Spechts sind unter Vögeln nicht ungewöhnlich.

Durch Anekdoten, Merksätze und eine Menge weiterer Tipps waren nach dem Vortrag viele Fragen beantwortet, bei den Besuchern das Interesse geweckt und der Einstieg in die Hobby-Ornithologie erleichtert.

Wer sich nun früh morgens von den schönsten Melodien wecken lassen und dabei wissen möchte, wie lange es noch bis zum Sonnenaufgang dauert, kann dies hier mithilfe der Vogeluhr lernen. Jede Vogelart hat ihren eigenen Auftritt und weiß selbst genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Für alle Interessierten (auch diejenigen, die lieber länger schlafen) wird Gerd Andres kommenden Mittwoch, am 15.3. um 18 Uhr im Park Schönbusch die erste Vogelstimmenwanderung anbieten.

 

März 2017, Fotos: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel

Exkursion zum Biber an der Gersprenz

Am Sonntag, den 12. Februar führte der Biberbeauftragte Thomas Wolf vom LBV zu den natürlichen Holzfällern hier im Landkreis: zum Biber.

43 Teilnehmer trafen sich an der Fischerinsel in Stockstadt und lauschten gespannt, wie der Biber durch Bernhard Grzimek in den Spessart gelangte. Mittlerweile gibt es über 100 Biber im Kreis Aschaffenburg, 12-14000 leben heute in ganz Bayern.

Thomas Wolf berichtete auch über die Lebensweise dieser Tiere: der Bestand ist in jedem Revier gleich, nach ca. zwei Jahren wandern junge Tiere ab. Die sieben interessierten Kinder erfuhren, dass Biber sich im Winter unter anderem durch Erlenrinde und im Sommer z. B. durch Feldfrüchte und Gras ernähren. Wenn der Biber eine Biberburg baut, befindet sich der Eingang immer unter Wasser - geschützt vor Feinden. Die Höhle wird an der Oberfläche mit Ästen abgedeckt. Reicht die Wassertiefe nicht aus, wird das Wasser eben gestaut. Die Baumeister und Künstler sind manchmal in der Abenddämmerung zu beobachten.

Zwei Stunden lang zeigten die Zuhörer Begeisterung für den Bewohner von Bächen und Flüssen - durch die Betrachtung der Nagespuren an den Bäumen, die sogenannten Biberrutschen ins Wasser und den ausgestopften Biber Bernd wird diese Exkursion sicher allen in Erinnerung bleiben. Viele spendeten für den Naturschutz an den LBV und haben damit dazu beigetragen, dass die Natur vor unserer Haustür weiterhin erhalten und erlebt werden kann.

 

Februar 2017, Bilder: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel

LBV demonstriert für einen Nationalpark Spessart

Am Freitag, den 10. Februar kam die Bayerische Umweltministerin für Gespräche mit den Gemeindevertretern und Landräten über einen möglichen Nationalpark Spessart nach Aschaffenburg. Vor dem Landratsamt fanden sich Gegner und Befürworter des Nationalparks ein und der LBV war natürlich auch mit dabei.

Gemeinsam mit anderen Organisationen und engagierten Bürgern demonstrierten rund 150 Leute friedlich für diese hohe Unterschutzstellung unseres besonderen Waldes. Dies entspricht auch dem allgemeinen Umgang des LBVs mit diesem Thema - friedlich, sachlich und offen soll der Austausch stattfinden können.

Gegen 9.30 Uhr fand sich Ulrike Scharf vor dem Landratsamt ein. Sie begrüßte nach einem Gespräch mit den Nationalparkgegnern alle Befürworter sehr herzlich und nannte die mögliche Entscheidung für einen Spessart-Nationalpark "historisch".

Im Laufe der nächsten Stunden wurden während der Gespräche der Ministerin eine Reihe von Interviews geführt, unter anderem mit dem Main-Echo. Dabei wurden auch die Vorsitzenden des LBVs zu ihrer Position befragt, wobei sie die Bedeutung eines Nationalparks als Chance betonten und dass es auch viele Menschen gibt, die hinter der Nationalpark-Idee stehen.

Viele Plakate und Rufe der Nationalparkgegner konnten durch die Aussagen von Ulrike Scharf bereits entkräftet werden - es ist Unsinn, dass es ein Betretungsverbot für den gesamten Park geben wird und auch die Spessart-Eiche wird nicht verschwinden: In der Pflegezone eines Nationalparks könnte der Wald weiterhin bewirtschaftet werden. Und auch Sorgen um die Wasserversorgung der Gemeinden erwiesen sich als unbegründet.

Insgesamt war es ein buntes, von der Gegenseite teils recht lautes Ereignis, das gezeigt hat, wie das Thema Menschen im Landkreis und darüber hinaus bewegt. Der Dialog mit der Region soll fortgesetzt werden und eine Studie soll die komplexen Fragen zum Nationalpark Spessart beantworten, auch zur Klärung der Holzrechte-Problematik.

Anfang März will sich die Ministerin mit Verbänden treffen. Der LBV wird sich weiterhin für die Wahl dieses einzigartigen Lebensraums einsetzen. Leben braucht Vielfalt - wie die Artenvielfalt des Spessarts mit Halsbandschnäpper, Mittelspecht, Stachelbart und vielen weiteren Tieren, Pflanzen und Pilzen.

 

Februar 2017, Bilder: Richard Kalkbrenner, Text: Judith Henkel


Vortrag "Der Spessart - Schatztruhe der Biodiversität"

Richard Kalkbrenner, Hartwig Brönner und Jürgen Herzing für den Nationalpark Spessart
Richard Kalkbrenner, Hartwig Brönner und Jürgen Herzing für den Nationalpark Spessart

Im Rahmen der Diskussion um den Spessart als dritten Nationalpark in Bayern stellte Hartwig Brönner, der Kreisvorsitzende des LBV Main-Franken, den Wert und die Besonderheiten dieses Naturraums am 25. Januar im JUZ Aschaffenburg vor.

Eine Besonderheit ist die hohe Biodiversität, die im Spessart beispielsweise im Naturschutzgebiet Rohrberg mit seinem alten Eichenbestand herrscht. Ursprünglich von dem Namen "Spechtshaardt" abgeleitet, bietet der Spessart vielen daran angepassten Vögeln einen Lebensraum und einen Rückzugsort, wie dem Halsbandschnäpper und dem Mittelspecht. Diese sind, genau wie viele Käfer- und Pilzarten, auf Wälder mit einem hohen Totholzanteil angewiesen, die in Deutschland Seltenheitswert haben.

Die Eichen, die Lichtkeimer sind und häufig zur Furnierherstellung gefällt werden, bedürfen einer Unterschutzstellung, damit es weiterhin alte Bäume dieser Gattung im Spessart gibt. Sie setzen sich durchaus an einigen Stellen im Spessart durch.

Abseits der Wege findet teils eine weitaus häufigere Abholzung statt, als den meisten Menschen bekannt ist. Hartwig Brönner erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Kahlschläge im Löwenstein´schen Fürstenwald, in dem Buchenwälder abgeholzt und durch Douglasienpflanzungen ersetzt wurden.

Um sich ein Bild von der Größenordnung eines Nationalparks machen zu können, präsentierte Hartwig Brönner auch einige Zahlen. Die Staatswaldfläche im Spessart beträgt 42000 ha. Ein Nationalpark würde 10000 ha umfassen - nur 5 % der freien Landschaft im Spessart.

Nach dem interessanten Vortrag gab es eine anregende Diskussion mit vielen Fragen, an der sich auch Aschaffenburgs Bürgermeister Jürgen Herzing beteiligte, der sich bereits für den Nationalpark ausgesprochen hat.

Auch der LBV setzt sich für einen Nationalpark ein und verfolgt gespannt die weitere Entwicklung in der Region. Am 10. Februar wird es ein Treffen der Bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf mit den entsprechenden Gemeinden und Landkreisen geben, wodurch das Thema Nationalpark Spessart konkreter werden könnte.

 

Bilder: Ellen Kalkbrenner Text: Judith Henkel

Der LBV bereitet sich auf die baldige Krötenwanderung vor

Gespannt lauschen die Aktiven Hermann Bürgin
Gespannt lauschen die Aktiven Hermann Bürgin

Am 18. Januar fand ein Treffen mit LBV-Aktiven statt, um den Ablauf der Krötenwanderungen vergangener Jahre zu betrachten und die kommende Amphibiensaison vorzubereiten, insbesondere an der Fasanerie Aschaffenburg.

Hermann Bürgin stellte die entsprechenden Zahlen vor, die einen deutlichen Rückgang der Kröten von 1800 auf 300 Individuen im Jahr 2015 abbilden, wobei im Jahr 2016 mit 600 Kröten wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen war. Dabei wurden auch mögliche Ursachen für den allgemeinen Rückgang genannt, beispielsweise Fressfeinde wie Waschbären, Reiher, Fische und Schildkröten oder eine Pilzerkrankung. Außerdem erläuterte Hermann Bürgin den fachgerechten Umgang beim Aufbau des Krötenzauns, der in Zukunft von der Stadt Aschaffenburg übernommen wird.

Hannah Diehl vom Umweltamt Aschaffenburg und Gerhard Weber präsentierten die Ergebnisse nach dem Abpumpen des Fasaneriesees im Jahr 2016. Dieses Jahr ist eine Schlamm-Mineralisierung geplant und die Schildkröten sollen eingefangen und in eine Tierauffangstation gebracht werden.

Der Krötenzaun am Klinikum wird seit 2016 vom LBV betreut, nachdem sich die Klinik-Mitarbeiterin Jennifer Fuhrmann in den vergangenen Jahren liebevoll um die bis zu 1000 Kröten gekümmert und schließlich den LBV um Unterstützung gebeten hat.

In Zukunft wird Hermann Bürgin die Organisation des Aufbaus an Werner Horler weitergeben und Karin Philipp wird weiterhin die Einteilung der Aktiven für den Transport der Tiere übernehmen. Wir hoffen sehr, dass die fleißigen Helfer dieses Jahr vielen Tieren über die Straße helfen können.

 

2017 Januar, Bild: Richard Kalkbrenner Text: Judith Henkel